28.02.2013

Im Kampf um High Potentials:


Aktion gegen Fachkräftemangel sorgt für Aufbruchstimmung

Starkes Expertenaufgebot (von links): Rasmus C. Beck, Sico Algermissen, Despina Kazantzidou, Bernhard Götze, Dr. Jens Bölscher, Andreas Dames und Moderator Frank Fauth von IT-Region 38. Foto: Susanne Hübner
Starkes Expertenaufgebot (von links): Rasmus C. Beck, Sico Algermissen, Despina Kazantzidou, Bernhard Götze, Dr. Jens Bölscher, Andreas Dames und Moderator Frank Fauth von IT-Region 38. Foto: Susanne Hübner

Der Schluss der Aktion gegen Fachkräftemangel in der IT-Branche könnte zu einem richtig guten Anfang werden. Er würde sich freuen, meinte Bernhard Götze in seinem finalen Statement, „wenn sich ein paar Leute zusammenfinden und gemeinsam etwas tun". Rasmus C. Beck gefiel, was der Bereichsleiter IT-Management BS|ENERGY da sagte. Aus seiner Sicht sei genau das der Schlüssel zur Lösung. Nämlich: „Die Initiative der Unternehmen."

Rasmus C. Beck ist Bereichsleiter Branchenentwicklung und Internationalisierung bei hannoverimpuls und als Lehrbeauftragter an den Unis Lüneburg, Tübingen und Bochum profunder Kenner der Fachkräftesituation in Deutschland.

Somit war er an diesem Abend im Braunschweiger Haus der Wissenschaft zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Stattliche Besucherzahl

Genauso wie die anderen Gäste auf dem Podium, die dort vor voll besetzten Stuhlreihen und vielen Protagonisten der regionalen IT-Branche diskutierten, wie sie im harten Kampf um kluge Köpfe bestehen können.

Mehr als sechzig Besucher waren der Einladung von Frank Fauth von IT-Region 38 gefolgt – eine stattliche Zahl, die belegt, dass das Fachkräfte-Thema der IT-Branche unter den Nägeln brennt. Die wichtigsten Erkenntnisse eines aufschlussreichen Abends:

Dramatische Verschärfung

•  Das Thema Fachkräftemangel ist im Grunde ein alter Hut, seit Jahrzehnten taucht es auf der Agenda auf, um dann wieder zu verschwinden. Neu aber ist, dass die demografische Entwicklung die Situation dramatisch verschärft.

Tolle Städte wie Hamburg oder Berlin können der Zukunft entspannt entgegenblicken, sie haben eine hohe Anziehungskraft auf Hochqualifizierte von nah und fern. Im Gegensatz zu den meisten anderen Städten, die auf die Verliererseite geraten.

Rasmus C. Beck: „Es wird vielen Unternehmen nicht mehr gelingen, gute Mitarbeiter in ihre Region zu bekommen."

Erfolgreicher Auslandseinsatz

•  Der Blick über die Grenzen kann sich lohnen. So wie im Fall von Sternico-Geschäftsführer Sico Algermissen und UNISOLO-Geschäftsführerin Despina Kazantzidou.

Beide sind im Ausland auf Mitarbeitersuche gegangen – mit Erfolg. Vier Spanier arbeiten mittlerweile für das 20 Mitarbeiter zählende Wendeburger IT-Unternehmen Sternico. Zweimal die Woche kommt eine Lehrerin und gibt ihnen Deutsch-Unterricht.

Sico Algermissen: „Wir haben extrem gute Erfahrungen gemacht."

Incoming-Team bei Arbeitsagentur

•  „Das ist beachtlich, Respekt", meinte Andreas Dames, Teamleiter Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar, zu Sico Algermissens Ausführungen.

Bei der Bundesagentur für Arbeit kümmert sich das Incoming-Team darum, Fachkräfte nach Deutschland zu holen. Aktuell, erzählte Andreas Dames, umfasst der Bewerberpool 3.500 Männer und Frauen. 150 kommen für die IT-Branche in Frage.

Absolventen mit Wurzeln

•  Fachkräfte ohne jedwede Beziehung zur Region Braunschweig zu gewinnen, mag hier und da funktionieren – ist aber nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein, meint Rasmus C. Beck.

Seine Empfehlung: Absolventen von regionalen Hochschulen, die ihr Glück anderswo gesucht haben, zurückzuholen, weil sie „hier eine Wurzel haben". Die Alumni-Organisationen seien eine gute Anlaufstelle für eine Rückholaktion von High Potentials.

Warum in die Ferne schweifen...

•  „Schauen Sie nicht nur in Richtung Spanien oder Portugal", meinte Dr. Jens Bölscher.

Der Geschäftsführer der Braunschweiger WelfenAkademie kündigte an, vom Sommer an in seinem BWL-Studiengang die Fachrichtung Informations-Management anzubieten. Um auf diesem Wege gute Mitarbeiter für die IT-Branche „vor Ort zu entwickeln".

Packen wir es an

„Aufbruchstimmung" – die, so Andreas Dames, könne die Veranstaltung von IT-Region 38 auslösen. Die Aussage von Bernhard Götze zu Beginn dieses Artikels belegt, dass der Startpunkt für eine Zusammenarbeit innerhalb der IT-Branche gesetzt ist.

Eine wichtige Voraussetzung ist damit gegeben. Denn: „Lösungen sind immer dann gut, wenn sie von denen kommen, die sie betreffen", sagte Rasmus C. Beck.

Wie und welche Unternehmen zusammenfinden, was ihre Ziele sind und wie sie sie erreichen wollen: Darüber wird IT-Region 38 an dieser Stelle weiter berichten.