17.07.2008


Aus Kunstgriffen werden Klassiker: Mango setzt weltweit Meilensteine im Design

Genial: Andrea Finke-Anlauff (Bildmitte) erfand die Softkeys im Rahmen ihrer Diplom-Arbeit für Nokia
Genial: Andrea Finke-Anlauff (Bildmitte) erfand die Softkeys im Rahmen ihrer Diplom-Arbeit für Nokia

Softkeys – jeder kennt sie, jeder schätzt sie, jeder hat sie. Und zwar auf dem Mobiltelefon direkt unter dem Display, wo diese zwei Tasten mit unterschiedlichen situationsrelevanten Funktionen belegt sind und die Handy-Bedienung vereinfachen.

 

Die Idee dieser dynamischen Taste gilt auch heute noch als genial – und stammt aus Braunschweig. Andrea Finke-Anlauff förderte sie im Rahmen ihrer Diplom-Arbeit für Nokia an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig zutage und brachte damit eine Entwicklung ins Rollen, die nicht mehr zu stoppen war.

Nokia war der erste Telekommunikationskonzern, der das User-Interface seiner Handys mit den bedienerfreundlichen Softkeys ausstattete und seine Erfolgsgeschichte damit um ein wichtiges Kapitel bereicherte. So ist es nur konsequent, dass der weltweit größte Mobiltelefon-Hersteller bis heute bei der Interface- und Designentwicklung auf die Geschicke von Mango Design vertraut. Nachdem Andrea Finke-Anlauff ihr Studium erfolgreich beendet hatte, gründete sie das Designbüro 1994 gemeinsam mit ihrem Partner Marcus Anlauff.

Dass ein solch namhafter Global Player wie Nokia zu den Kunden von Mango Design zählt, ist der beste Beweis dafür, dass auch der Name des Braunschweiger Designunternehmens weltweit einen hervorragenden Klang hat. Andrea-Finke Anlauff und Marcus Anlauff sowie ihr Expertenteam aus Produktdesignern, Interfacedesignern, Grafikern und Modellbauern arbeiten in erster Linie für die Telekommunikations- und Unterhaltungselektronikbranche – und haben in Deutschland keine Konkurrenz zu fürchten. „Weltweit gibt es vielleicht fünf, sechs Unternehmen, die sich in demselben Produktumfeld wie wir und auf einem ähnlich hohen Niveau bewegen und die den gleichen Erfahrungsschatz haben", sagt Marcus Anlauff.

Der wichtigste Rohstoff der insgesamt 14 Mitarbeiter ist ihr scharfer Verstand. „Wir brauchen immer und dauernd gute Ideen", betont Marcus Anlauff. Das hat seinen Grund. Die Kunden von Mango Design – neben Nokia unter anderem Emporia (Handy-Produzent), Vivanco (Anbieter für Geräte- und Verbindungszubehör) und Pinnacle Systems (Hersteller von Software und Hardware für die Videobearbeitung) –, stellen höchst anspruchsvolle Aufgaben. Die Designer müssen bei der Gestaltung sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Das Produkt soll nicht nur klasse ausschauen und Stil haben, sondern auch übersichtlich strukturiert sein. „Das ist bisweilen ein echter Kunstgriff", sagt Marcus Anlauff lachend.

Mango Design
Marcus Anlauff (rechts) und das Mango-Team haben bereits mehrere Design-Preise gewonnen

Für ein Mobiltelefon aus dem Hause Emporia für die Zielgruppe 50+ entwickelte Mango Design sowohl das Hardwaredesign als auch die Interfacegrafik. Die Kombination aus Design und Grafik harmoniert ausgesprochen gut: Anstatt ständig im Handbuch nachschlagen zu müssen, kann sich der Handy-Besitzer bei der Bedienung auf seine Intuition verlassen. Die Gestaltung des Mobiltelefons und seine Benutzerfreundlichkeit mit größtmöglichen Schriften und kontrastreichen Grafiken überzeugten so sehr, dass Mango Design zum Preisträger des „universal design Wettbewerb Niedersachsen 2007" gekürt wurde. „Dass das Gesamtpaket aus Produkt- und Interfacedesign aus einem Hause kommt, macht Sinn", sagt Marcus Anlauff, „so können wir garantieren, dass auf jeden Fall etwas Rundes dabei herauskommt." Viele weitere Designpreise, darunter den „red dot Best of the Best" für das Nokia 6800 und den „IF silver award" für das S60 Telefonbetriebssystem, bestätigen Mangos Designphilosophie und Arbeitsweise.

Die Benutzerführung hat in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen – auch, weil Industriedesigner wie Andrea-Finke Anlauff und Marcus Anlauff Maßstäbe setzen und Handys oder Navigationsgeräten, Autoradios mit Sprechfunktionen oder Bluetooth-Kopfhörern eine Gestalt geben, die sich quasi selbst erklärt und ohne Fingerakrobatik auskommt. „Die Bedienung muss Spaß machen", beschreibt Marcus Anlauff die Anforderung.

Neue Materialien, neue Formen, neue Größen – auf der Suche nach der bestmöglichen Handhabung und beim Einsatz von hochentwickelten CAD-Programmen und CNC-Fräsen sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Der Erfolg spricht für sich. So verpassten die Braunschweiger einem Babyfon von Vivanco ein Design, das bei den Käufern ein Riesenecho fand. „Mit unserer Gestaltung ist Vivanco zum Marktführer geworden", sagt Marcus Anlauff.

Übrigens: Nicht nur mit der Entwicklung der Softkeys brachte Mango Design eine Entwicklung in Gang, die weltweit für Furore gesorgt hat. Auch das Design des Nokia 8110 – ein Mobiltelefon, das aufgrund seiner gebogenen, seinerzeit futuristischen Form zum Kassenschlager wurde und sogar in Hollywoods Filmhit Matrix auftauchte –, kommt, na klar: aus Braunschweig. Mit dem bis heute legendären Nokia 8110, das von seinen Fans liebevoll „Banane" genannt wird, setzte Mango Design einen weiteren Meilenstein in der Handy-Geschichte.

Fotos (5): Mango Design
Weitere Infos: Mango Design, http://www.mangodesign.de