07.11.2012

Studie zur Gründungsdynamik


Der gläserne IT-Gründer: Er ist 38 Jahre alt und braucht 700.000 Euro für den Start

Wie ist der Gründer eines IT-Unternehmens gestrickt? Und in welchen Städten siedelt er sich am liebsten an? Die Antwort auf die zweite Frage liegt nah: in den deutschen Metropolen. Die Beantwortung der ersten Frage indes bietet einige Überraschungen – etwa dass der durchschnittliche Jungunternehmer in der IT-Branche gar nicht so jung ist, wie man gemeinhin annehmen könnte.

München auf Platz eins und Kronprinz Berlin sind die deutschen IT-Gründerhauptstädte. In Bezug auf die Einwohnerzahl werden nirgendwo sonst so viele IT-Unternehmen gegründet wie in diesen beiden Städten.

Das Rhein-Main-Gebiet mit Frankfurt sowie Hamburg folgen auf den Rängen drei und vier. So lautet das Ergebnis einer Studie zur Gründungsdynamik in den Bereichen IT und Internettechnologien des Branchenverbands Bitkom.

Bayern an der Spitze

Betrachtet man das Gründungsgeschehen in den 16 Bundesländern, so liegen die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen vorne.

An der Spitze der Flächenländer steht Bayern, gefolgt von Hessen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg. Die fünf ostdeutschen Bundesländer bilden die Schlusslichter.

Und Niedersachsen? Kommt im Ranking nicht über Platz zehn hinaus.

Wider dem Klischee

„Die Untersuchung räumt mit einer ganzen Reihe von Klischees über die Gründerszene auf", sagt Bitkom-Präsident Dieter Kempf. Etwa mit diesem: Nur die wenigsten Unternehmen werden von Uni-Absolventen gegründet, die gerade ihren Abschluss in der Tasche haben.

In Deutschland liegt das Durchschnittsalter von IT-Gründern bei 38 Jahren. Sie verfügen über 17 Jahre Berufserfahrung, davon 11 Jahre in der Branche.

Uni und Beruf

Nur jeder zweite Gründer besitzt einen Universitätsabschluss. Der Blick auf die Beschäftigten in den Start-ups zeigt, dass etwa ein Drittel Akademiker sind und die Hälfte eine abgeschlossene Berufsausbildung hat.

Ein Drittel der Gründungen sind der Studie zufolge Ausgründungen aus bestehenden Unternehmen.

Kräftiger Invest

Verglichen mit anderen Branchen investieren junge IT-Unternehmen deutlich häufiger und deutlich mehr in Forschung und Entwicklung. Bereits im Gründungsjahr liegen die Investitionen in diesem Bereich 50 Prozent höher als in anderen Branchen.

Entsprechend groß ist der Kapitalbedarf. In ein IT-Start-up fließen in den ersten vier Jahren durchschnittlich fast 700.000 Euro. Im Gründungsjahr muss man knapp 70.000 Euro aufbringen. Danach wächst der Finanzbedarf auf gut 277.000 Euro im dritten Jahr nach Gründung.

Kaum fremdes Geld

„Banken, Venture Capital und öffentliche Zuschüsse spielen bei der Finanzierung von IT-Start-ups in Deutschland so gut wie keine Rolle", sagt Kempf. „Neu gegründete Unternehmen finanzieren sich von Beginn an primär über Einnahmen aus der eigenen Geschäftstätigkeit und das Eigenkapital der Gründer."

Aus eigener Kraft

Schon im Gründungsjahr kommt fast die Hälfte des eingesetzten Geldes aus ersten Geschäftseinnahmen, rund ein Drittel steuern die Gründer aus eigenen Mitteln bei.

Fremdfinanzierung wie Darlehen von Banken und Sparkassen (6 Prozent) oder öffentliche Kredite und Zuschüsse (3 Prozent) haben dagegen nur eine Randbedeutung. Auch Beteiligungskapital (Venture Capital) kommt gerade einmal auf 5 Prozent.

Der Umsatz macht es

In den ersten drei Geschäftsjahren verstärkt sich dieses Bild der fehlenden Fremdfinanzierung weiter. 88 Prozent des Finanzbedarfs wird nun aus den Erlösen des laufenden Geschäfts gedeckt. Der Anteil von Bankdarlehen und öffentlichen Krediten sinkt auf je 2 Prozent, und auch der ohnehin geringe Anteil von Beteiligungskapital fällt weiter – ebenfalls auf 2 Prozent.

„Wenn wir Start-ups in Deutschland groß machen und zu weltweit erfolgreichen Unternehmen aufbauen wollen, dann muss sich die Finanzierungssituation dringend verbessern", so Kempf. „Global Player lassen sich nicht mit dem Sparbuch der Gründer aufbauen."

Gute Perspektive

Übrigens: Die Aussichten für Gründer in der IT-Branche sind gut – denn 60 Prozent der IT-Gründungen sind auch nach fünf Jahren noch am Markt.