08.03.2011

act!-Geschäftsführer Klaus Niemann im Interview


IT-Architekten als Grundstein für den Erfolg


"Wir richten IT auf das Geschäft aus": Unternehmensarchitekt Klaus D. Niemann

Er ist Mitglied der Association of Enterprise Architects und damit einer von nur acht Experten, die den internatonalen ISO-Standard für das Thema Architekturmanagement definieren: Klaus D. Niemann, Geschäftsführer der Braunschweiger act! consulting GmbH. IT-Region 38 traf sich mit dem 53-jährigen gebürtigen Helmstedter – und erfuhr mehr über die Branche der IT-Architekten und ihren wachsenden Einfluss auf den Unternehmenserfolg.

Herr Niemann, was kann ein guter Unternehmensarchitekt für ein Unternehmen leisten?

Er sorgt dafür, dass die IT-Landschaft sich in optimaler Art und Weise an der Unternehmensstrategie und deren Operationalisierung orientiert. Zusammengefasst: Wir richten IT auf das Geschäft aus.

Unternehmen sind vielschichtige Gebilde mit komplexen Abhängigkeiten. Worauf stellt der Unternehmensarchitekt seinen Fokus, wenn er es zur Analyse und Optimierung der Prozesse beleuchtet?

Vor ein paar Jahren noch schaute der IT-Architekt allein auf die Technologie- und Anwendungsarchitektur: vom Server- über das Betriebssystem und die Datenbanken bis hin zu den Schnittstellen zwischen den Anwendungen. Heute richtet das Architekturmanagement – oder wie der Fachbegriff lautet: das Enterprise Architecture Management – den Blick nach ganz oben: auf die Geschäftsarchitektur, wo Ziele und Strategien, Prozesse und Rahmenbedingungen zusammenlaufen.

Was kann ein konkretes Ergebnis und darauf aufbauend eine Maßnahme der Unternehmensarchitektur sein?

Wir analysieren unter anderem, in welchen Bereichen die größte Werthaltigkeit steckt. Das kann Forschung & Entwicklung sein, oder auch Verkauf, Finance oder Human Resources. Der Unternehmensarchitekt plant dann die IT-Investitionen entlang dieser Systeme, die die größte Bedeutung für das Unternehmen haben. Wohin soll das Geld fließen? Wo muss IT-Personal aufgebaut werden? Ist es angebracht, IT-Bereiche auszulagern? Das Ergebnis ist ein Bebauungsplan oder eine Road Map, sprich: die Vision einer optimalen IT-Landschaft – so wie sie in Zukunft aussehen soll.

Hat die Wirtschaft erkannt, dass die Unternehmensarchitektur einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg leistet?

Die Großunternehmen wissen, dass Architekturmanagement elementarer Bestandteil des IT-Managements ist und sie diesen Kompetenzbereich für sich gewinnen müssen. Der große Teil unserer Kunden arbeitet nicht mit uns zusammen, damit wir IT auf ihre Geschäftsstrategie ausrichten – sondern um sie beim Aufbau des Architekturmanagements zu unterstützen. Gewissermaßen als Hilfe zur Selbsthilfe, damit die Unternehmen die Prozesse selbstständig durchführen können.

Sind es ausschließlich die ganz Großen, die act! beauftragen?

Es kommt nicht allein auf die Größe des Unternehmens an, sondern auch auf die Komplexität. Etwa wenn die IT sich auf verschiedene internationale Standorte aufteilt. Oder wenn ein Unternehmen regelmäßig große Veränderungsprozesse durchläuft, weil es schnell wächst. Unsere Kundenstruktur reicht von Unternehmen, die 50 IT-Mitarbeiter haben, bis hin zu den ganz Großen mit 10.000, die weltweit auf mehrere Orte verteilt sind.

Wie groß ist Ihr Mitarbeiterteam? In wen setzen Sie Ihr Vertrauen?

act! hat 30 Mitarbeiter, und die meisten von ihnen arbeiten nicht in Braunschweig, unserem Head Office, sondern als Berater direkt beim Kunden. In unseren Reihen sind überwiegend Wirtschaftsinformatiker. Daneben haben wir auch etliche Mathematiker, weil wir viel mit Modellbildung arbeiten, sowie Leute aus der Kerninformatik und Ingenieure mit Branchenkenntnis.

Mit dem Architecture Management Day haben Sie ein eigenes Networking-Forum etabliert. Wie war die Resonanz bei der Auflage vor knapp zwei Wochen im Wolfsburger Phaeno?

Wir hatten 47 Teilnehmer, mit denen wir sowohl über die Entwicklung von Architekturmanagementorganisationen im Allgemeinen diskutiert haben als auch über spezielle Themen wie die Werkzeuge, die in den Managementprozess eingebunden werden. Aus meiner Sicht haben wir es mit dem Architecture Management Day geschafft, eine wichtige Plattform für den Erfahrungsaustausch einzurichten, die im kommenden Jahr zum elften Mal stattfinden wird.

Stichwort Zukunft: Welche Trends gibt es beim Architekturmanagement?

Je höher die Flugbahn, desto höher die Wirkung: Das Architekturmanagement wird deswegen noch viel mehr in die Geschäftsarchitektur hineinreichen, als es jetzt schon der Fall ist – womit die Bedeutung weiter wächst. Die Auftraggeber wollen nicht mehr nur die Geschäftsanforderungen in stabile IT-Systeme umgesetzt wissen, sondern die Prozessoptimierung im Gesamtunternehmen verbessern – und mit Instrumenten des Architekturmanagements diese Veränderung steuern.