04.04.2011

Tragbarer Computer wird 30


Osborne 1: Nähmaschine unterm Flugzeugsitz

Er wog 10,7 Kilogramm, hatte einen winzigen 5-Zoll-Röhrenbildschirm, kostete 1795 Dollar – und war ein Riesenerfolg: Im April 1981 wurde der erste tragbare Computer für den Massenmarkt vorgestellt: der Osborne 1. Dabei ähnelte er eher einer Nähmaschine als einem PC.

 

Mit diesem Koffer-Rechner begann vor 30 Jahren die Entwicklung des Marktes für mobile Computer, die heute fast zwei Drittel des weltweiten PC-Umsatzes ausmachen. Nach Angaben des Branchenverbands Bitkom werden in diesem Jahr in Deutschland 15 Millionen Computer verkauft. Drei Viertel entfallen auf tragbare Geräte wie Notebooks, Netbooks oder Tablet-PCs.

Buchautor und Revolutionär

Die Erfolgsgeschichte des ersten mobilen PCs indes währte nur kurz. Als sich der amerikanische Buchautor Adam Osborne im März 1980 mit dem Computerdesigner Lee Felsenstein traf, wollte er den Computermarkt revolutionieren: Der PC sollte tragbar und bezahlbar werden, Felsenstein sollte ihn gestalten. Osborne gründete noch im gleichen Jahr die Osborne Computer Corporation. Ein gutes Jahr später war er schon am Ziel: Im April 1981 kam der Osborne 1 auf den Markt.

Vor allem Geschäftsleute hatte man sich als Zielgruppe ausgesucht. In der Werbung hieß es: „Unser Computer passt unter jeden Flugzeugsitz." Als Speichermedium dienten zwei Diskettenlaufwerke. Eine Festplatte mit ausreichend Platz wäre zu der Zeit viel zu schwer, teuer und empfindlich gewesen. Zwischen den Laufwerken war ein kleiner Röhrenbildschirm untergebracht.

Schneller Aufstieg, schneller Fall

Osborne verkaufte im ersten Monat 11.000 Stück, schon im September stieg der Umsatz auf mehr als eine Million Dollar. So schnell die Firma aufstieg, so schnell war ihr Niedergang besiegelt. Im September 1983 ging das Unternehmen in die Pleite.

Ein Hauptgrund: Adam Osborne soll damals die Nachfolgemodelle öffentlich angepriesen haben, obwohl sie noch längst nicht erhältlich waren. Potenzielle Kunden warteten ab, die Osborne-1-Lager blieben voll und die Preise für den Koffer-Computer verfielen. Der Effekt ist in der Branche bis heute als „Osborne-Effekt" bekannt.

Erfolg bleibt aus

Osborne brachte die beiden Nachfolgemodelle zwar noch auf den Markt, doch ohne an den Erfolg des Vorgängermodells anknüpfen zu können. 1985 war für die Firma endgültig Schluss.

Osborne starb nach mehreren Schlaganfällen am 18. März 2003 in Indien, wo er während der letzten Jahre seines Lebens als Venture-Capitalist tätig war.

Einen Blick auf den Osborne 1 erhascht man hier.