01.07.2011

IT-Unternehmen Sternico


Prozessunterstützende Software für die Eisenbahnindustrie: „Wir sind auf eine echte Produktlücke gestoßen“

Auf der Erfolgsschiene: Sico Algermissen (links) und Christian Wirthsmann. Foto: Fauth
Auf der Erfolgsschiene: Sico Algermissen (links) und Christian Wirthsmann. Foto: Fauth

Früher besuchten sie gemeinsam das Hoffmann-von-Fallersleben Gymnasium in Braunschweig, heute sind sie das Geschäftsführer-Trio der Sternico GmbH in Wendeburg: Sico Algermissen, Christian Wirthsmann und Werner Mager haben es geschafft, ein IT-Unternehmen mit prominentem Kundenstamm aufzubauen. Woran sie zuletzt hart gearbeitet haben, mit welchem Produkt sie eine Nische besetzen wollen und warum der Markt es so dringend braucht – darüber reden Sico Algermissen und Christian Wirthsmann, beide 35 Jahre alt, im Interview mit IT-Region 38.

 

Sternico hat für den Schienenfahrzeughersteller Alstom und seine Auftraggeber eine Software zur Produktabnahme entwickelt. Was genau hat es damit auf sich?

Sico Algermissen: Die Abnahme des Zuges, also die Qualitätskontrolle Seite an Seite mit dem Kunden, nimmt für den Hersteller eine wesentliche Rolle ein. Ein Zug ist ein sehr komplexes Produkt. Umso wichtiger ist es, Mängel strukturiert zu dokumentieren und zu klassifizieren, um sie dann zu beseitigen – mit der Prozessunterstützung durch unsere Software.

Was speichert sie, was wertet sie aus?

Sico Algermissen: Wer ist verantwortlich für den Mangel? Wer muss ihn bis wann abarbeiten? Wie ist das Ergebnis? Die datenbankbasierte Softwareplattform auf Basis des .NET Frameworks 4.0 ist quasi ein elektronisches Checkheft – das nicht nur den Fortschritt der Mangelbehebung anzeigt, sondern auch analysiert, wie sich Prozesse verbessern lassen und welche Maßnahmen dafür notwendig sind. Durch Einbindung von Mobilgeräten mit speziell entwickelten Clients kann der Mangel direkt vor Ort dokumentiert werden. Neu ist, dass auch der Kunde in Echtzeit Einblick in diese Daten bekommt. Ein aufwändiger Austausch von manuellen Mängellisten entfällt. Die Transparenz ist dadurch sehr hoch und das Vertrauen in den Lieferanten wird enorm erhöht.

Sternico hat zurzeit 15 Mitarbeiter. Wie stark hat die Entwicklung dieser Software Ihr Team beansprucht?

Christian Wirthsmann: Dies war schon ein Großprojekt für uns. Wir haben hierbei große Investitionen getätigt – komplett mit eigenen Mitteln. Doch der Einsatz hat sich gelohnt: In der Regel bekommt der Kunde die ausschließlichen Rechte – doch in diesem Fall haben wir die Rechte an der Software.

Was versprechen Sie sich davon?

Christian Wirthsmann: Das ist insofern wichtig, als dass wir die Software für andere Branchen entsprechend konfigurieren können. Wir sind zurzeit in Abstimmung mit Herstellern von Offshore-Windkraftanlagen in der Nordsee, Werften und großen Infrastrukturprojekten. Unsere Plattform bietet die Basis für Abnahmen im Rahmen des Qualitätsmanagements von Zügen, Schiffen oder Neubauten von Fabriken und komplexen Fertigungsanlagen.

Kann dieses Softwareprojekt Schule machen und Sternico zu einem Anbieter mit eigenen Produkten und Lizenzen werden?

Christian Wirthsmann: Es ist unser Ziel, dass Sternico bei seinen Kunden nicht nur für seine Auftragsarbeit bekannt ist. Wir werden unsere eigene Produktschiene Schritt für Schritt ausbauen bzw. erweitern.

Welche Produktideen haben Sie noch?

Sico Algermissen: Aktuell beschäftigt die Bahnbranche die EU-Richtlinie 2008/110/EG, die für die Instandhaltung von Schienenfahrzeugen konkrete Maßnahmen erforderlich macht. Die Betreiber und ihre Werkstätten müssen eine Reihe neuer Sicherheitsauflagen erfüllen, etwa in Bezug auf die Wartung von Güterwagen – wovon es in Europa Hunderttausende gibt. Wir werden die Ersten mit einem Produkt auf dem Markt sein, das diese Wartungsprozesse von der Werkstatt bis hin zum Wagenhalter dokumentiert. Wir sind auf eine echte Produktlücke gestoßen und verbuchen bereits jetzt Anfragen und Bestellungen aus ganz Europa.

Ein solches System ist nicht längst Standard?

Sico Algermissen: Noch werden Informationen wie der Zustand des technischen Systems oder daraus resultierende Reparaturarbeiten in den meisten Fällen mit Hand aufgeschrieben – und die Zettel hin- und hergefaxt.

Was haben Sie geplant, um die Aufmerksamkeit der Branche auf dieses Produkt zu lenken?

Christian Wirthsmann: Es gibt zwei, drei Verbände, die mit den Werkstätten und Betreibern von Schienenfahrzeugen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gut vernetzt sind – hierüber erreichen wir auch direkt unsere Kunden. Des Weiteren sind wir mit diesem Produkt auf einschlägigen Fachmessen vertreten. Auch generell kann man sagen, dass die Ziele und Möglichkeiten der Software ein zentrales und aktuelles Thema innerhalb der Branche sind. Ab Herbst wird die Software verfügbar sein. Zusätzlich werden wir unser System in der Cloud bereitstellen, sodass die Werkstätten schnell darauf Zugriff haben.

Wie können Sie als kleineres IT-Unternehmen Überzeugungsarbeit leisten, solch umfangreiche Projekte stemmen zu können?

Sico Algermissen: Sternico hat gute Referenzen von mittelständischen Unternehmen sowie Konzernen wie Volkswagen, Bertelsmann, Siemens und MAN. Dadurch sind wir in unterschiedlichen Branchen wie Elektronindustrie, Fahrzeugindustrie, Maschinenbau, pharmazeutische Industrie und Filmproduktion tätig. Viele Anforderungen und Prozesse ähneln sich immer wieder und unsere Lösungen sprechen für sich. Dadurch bringen wir Synergien ein, die für den Kunden kostengünstig sind und können somit unsere Kapazitäten effizient einsetzen.

Ihre Projekte werden größer. Ihr Team auch?

Christian Wirthsmann: Wir haben ein Luxusproblem: Wir wachsen schnell und suchen ständig sehr gute Mitarbeiter aus der Informationstechnik. Dazu gehört, dass wir unsere Prozesse stabil halten, unsere Mitarbeiter ständig qualifizieren und zertifizieren und durch spannende und anspruchsvolle Projekte in unterschiedlichen Branchen einen hohen Leistungsanreiz bieten.