02.12.2012

Internationaler Arbeitsmarkt


Sternico und IT-Spezialist Alberto Bolsa denken europäisch

Grenzenlose Zusammenarbeit: Christian Wirthsmann (links) und Alberto Bolsa. Foto: Fauth
Grenzenlose Zusammenarbeit: Christian Wirthsmann (links) und Alberto Bolsa. Foto: Fauth

Obwohl sie Softwareentwickler und andere IT-Spezialisten so dringend herbeisehnen, um ihre offenen Stellen zu besetzen: Die meisten Anbieter von Software und IT-Services beschränken sich bei der Suche nach den richtigen Mitarbeitern auf den deutschen Arbeitsmarkt. Nicht so Sternico: Das IT-Unternehmen aus Wendeburg kennt bei der Rekrutierung qualifizierten Personals sozusagen keine Grenzen – und hat mit dieser Strategie bereits nach kurzer Zeit durchschlagenden Erfolg.

Gestern Saragossa, heute unsere Region: Auf diesen Nenner lässt sich der Karriereschritt von Alberto Bolsa bringen.

Dass der Experte für Web-Technologien seinen Job in Spanien bei einem großen Unternehmen aufgegeben hat und nach Deutschland gezogen ist, hat einen Grund. Die Sternico GmbH hat ihm das Angebot gemacht, ihr Mitarbeiterteam zu verstärken und in hoher Eigenverantwortung IT-Projekte umzusetzen.

„Ich bin richtig glücklich, hier gelandet zu sein", sagt der 25-Jährige.

Sternico als Vorreiter

Die zielgerichtete Suche nach Fachkräften im Ausland ist bisher die Ausnahme in der regionalen IT-Branche. Sternico zählt zu den Vorreitern einer Entwicklung, die in den kommenden Jahren sehr wahrscheinlich immer weiter voranschreiten wird.

Die Initialzündung war ein Bericht im Fernsehen. „Der hatte zum Thema, dass in Spanien trotz exzellenter Qualifikation eine hohe Arbeitslosigkeit herrscht", sagt Christian Wirthsmann, der gemeinsam mit Sico Algermissen und Werner Mager die Geschäfte führt.

Aushang von Madrid bis Saragossa

Der Entschluss, auf dem internationalen Arbeitsmarkt nach Personal Ausschau zu halten, war schnell gefasst. Sternicos Stellenausschreibungen wurden ins Spanische übersetzt, der Aushang an den Universitäten in Madrid, Valencia und Saragossa über gute Kontakte vor Ort organisiert.

Die Reaktion folgte prompt, die ersten Bewerbungen ließen nicht lange auf sich warten – darunter auch die von Alberto Bolsa.

Gespräche in Spanien

„Albertos Profil passte nahezu perfekt zu unseren Anforderungen", sagt Christian Wirthsmann, der mehr über seinen Wunschkandidaten erfahren wollte – und deswegen einen Mitarbeiter, der zu der Zeit in Spanien war, ein Gespräch mit ihm führen ließ.

Als auch dessen Eindrücke positiv waren, saß Alberto Bolsa nur kurze Zeit später in einem Flieger nach Deutschland – um zu guter Letzt seine Unterschrift unter einen Arbeitsvertrag zu setzen.

Mehr als eine Nummer

Wieso er seiner Heimat den Rücken gekehrt habe, um für Sternico zu arbeiten? „Mich reizt das Abenteuer und mir gefällt das Unternehmen", sagt Alberto Bolsa, „ich bin hier mehr als nur eine Nummer, die ich bei meinem alten Unternehmen in Saragossa war."

Seit September ist er Teil des Sternico-Teams, Eingewöhnungsprobleme habe er nicht gehabt, erzählt er – obwohl er noch kein Deutsch spricht.

Für Christian Wirthsmann ist das kein Problem. Im Gegenteil: „Seitdem Alberto für uns arbeitet, halten wir unsere Team-Meetings in Englisch ab. Wir empfinden das als eine echte Bereicherung."

Projekt: Verbotene Liebe

In Projekten für Volkswagen und Bertelsmann hat Alberto Bolsa, leidenschaftlicher Fan des Basketball-Teams von Real Madrid, von Beginn an mitgearbeitet. Die Business Software ScreenerOne für die Daily Soap Verbotene Liebe stammt aus der Entwicklungsfeder des IT-Spezialisten.

Im Job lief von Beginn an alles rund, nur im Alltag hatte der Spanier einige Anlaufschwierigkeiten. Es sei kompliziert gewesen, ein Apartment in Braunschweig zu finden, erzählt er, und auf den Ämtern habe es Probleme gegeben, weil man dort kein Englisch konnte.

Bis zur Rente in Deutschland?

Seinem positiven Gesamteindruck über sein neues Zuhause konnte das nichts anhaben. „Ich könnte mir vorstellen, mein ganzes Arbeitsleben in Deutschland zu verbringen."

Sein Umzug nach Deutschland habe nichts mit der Wirtschafts- und Finanzkrise Spaniens zu tun, betont er, auch in seiner Heimat würde er ohne Weiteres gut bezahlte, interessante Jobs finden. Dass er Freunde und Familie vermisst, verbirgt er nicht. „Aber das ist aushaltbar", sagt er lachend.

Think global

Bei Sternico ist man rundum zufrieden mit dem Neuen, aus Sicht der Geschäftsführung hat es sich gelohnt, über die Grenzen zu schauen und europäisch zu denken.

Christian Wirthsmann kann sich vorstellen, dass das Beispiel Alberto Bolsa bei Sternico Schule macht. „Wir werden auch in Zukunft auf diese Weise Mitarbeiter suchen."