27.07.2012

Für Güterwagenhalter und Werkstätten:


Sternicos Datenmanagement-System führt neuen Standard auf deutschen Schienen ein

Jeder zweite Güterwagen auf deutschen Schienen wird künftig mit dem Datenmanagement-System von Sternico gewartet. Foto: Alstom
Jeder zweite Güterwagen auf deutschen Schienen wird künftig mit dem Datenmanagement-System von Sternico gewartet. Foto: Alstom

Die Ansage der Europäischen Union war unmissverständlich: Es müssen dringend Maßnahmen her, die das Sicherheitsniveau auf europäischen Schienen verbessern – damit so ein Unglück wie im italienischen Viareggio nie mehr passiert. Gesagt, getan. Dass die Forderungen der EU erfüllt werden können, ist auch der Sternico GmbH zu verdanken. Das Softwarehaus aus Wendeburg hat ein Managementsystem entwickelt – für den elektronischen Datenaustausch zwischen Haltern von Güterwagen und ihren Werkstätten.

Die Sicherheit von Güterwagen steht seit Juni 2009 besonders im Fokus. Damals ereignete sich in Viareggio ein schweres Unglück. Ein mit Flüssiggas betankter Waggon entgleiste, viele Menschen verloren ihr Leben. Die mutmaßliche Unfallursache: eine gebrochene Radsatzwelle

Lückenlose Dokumentation

Als Folge des Unfalls legten EU und nationale Sicherheitsbehörden einen Maßnahmenkatalog auf. Ein wesentliches Kapitel: die europaweite Dokumentation der Wartung und Instandhaltung von Güterwagen – um Instandsetzungsarbeiten lückenlos nachzuweisen und im Fall eines Materialdefekts den Auslöser schnell zu ermitteln.

Neue Zeitrechnung

Die Entwickler von Sternico haben einen entscheidenden Beitrag geleistet, die neuen Sicherheitsanforderungen umzusetzen. Ihr Instandhaltungsmanagement-System für den Schienengüterverkehr namens CoMaP MDC hat eine neue Zeitrechnung eingeläutet – es ermöglicht die digitale Erfassung sämtlicher technischer Wagenkomponenten in den Werkstätten und den digitalen Datenaustausch zwischen Wagenhaltern und Werkstätten.

Das System ist bereits im Einsatz. „Jeder zweite Güterwagen auf deutschen Schienen wird künftig mit unserem System gewartet", sagt Sternico-Produktmanager Martin Ahke (Foto unten). Tendenz: steigend.

Gestern: erschwerte Kommuniktation

Unter welchen Voraussetzungen arbeiten Wagenhalter und Werkstätten zusammen? Aus welchen Teilen setzt sich ein Güterwaggon zusammen? Welche Informationen fallen an, wenn Mechaniker den Wagenkasten vom Drehgestell trennen, die Radsätze ausbauen und Arbeitsschritte wie Sandstrahlung oder Ultraschallprüfung durchführen? Das Projektteam arbeitete mit vier Werkstätten von Salzgitter bis Basel zusammen, um die Spielregeln der Branche zu verstehen. Wesentliche Erkenntnis: „Jede Werkstatt lebte in ihrer individuellen Welt mit eigenen Formularen, Auftragsdokumenten und Prozessen", sagt Martin Ahke.

Heute: eine Branche, eine Sprache

Das ist nun Vergangenheit. Die Sternico-Entwickler haben eine einheitliche Sprache definiert und implementiert – mit denselben Bezeichnungen für Bauteile und Komponenten, mit festen Regeln für die Datenaufnahme, -weitergabe und -verwaltung und mit demselben Datenbestand bei Auftraggebern und -nehmern. Die Branche profotiert von einer digitalen Durchgängigkeit vom Arbeiter in der Instandhaltung bis hin zum Datenarchiv beim Wagenhalter.

Informationsaustausch mit Struktur

Vorbei sind die Zeiten, als die Branche ihre Daten mit Excel archivierte und in Papierform über das Fax-Gerät kommunizierte. „Unser Instandhaltungsmanagement-System gewährleistet im XML-Format einen dokumentierten, strukturierten Informationsaustausch vom Halter zur Werkstatt und wieder zurück – ohne jeden Medienbruch", sagt Martin Ahke.

Flächendeckener Einsatz

Auch die Vereinigung der Privatgüterwagen-Interessenten (VPI), die die Halter von Privatgüterwagen und ihre Werkstätten vertritt, nahm sich des Themas an. Im Rahmen einer Ausschreibung wurde entschieden, dass CoMaP MDC zukünftig mehr als 230 Unternehmen der Branche für den digitalen Datenaustausch bereitgestellt wird.

In der Cloud von Microsoft

Sternico wird sein Mitarbeiterteam um Fachkräfte mit Branchen- und IT-Kenntnissen erweitern, um in Kürze auch die Service- und Support-Funktion für CoMaP MDC zu übernehmen. Die Dienste laufen über Windows Azure, Microsofts Cloud-Computing-Plattform. Martin Ahke: „Wenn Anforderung und Performance wachsen, können wir per Knopfdruck doppelt so viel Rechenkapazität und Speicherplatz erzeugen." Microsoft ist Kooperationspartner von Sternico.

Präsentation auf InnoTrans

Drei Mannjahre sind in die Entwicklung von CoMaP MDC eingeflossen. Großer Vorteil des Managementsystems: Es ist frei parametrierbar und auf jede Branche anwendbar. Diese Leistungsfähigkeit wird Sternico auf der InnoTrans 2012 vom 18. bis 21. September 2012 in Berlin präsentieren.

Sternico-Produktmanager Martin Ahke. Foto: Fauth