18.11.2009


Suchmaschine auf der Enterprise

Alle Informationen dieser Welt zu organisieren und sie allgemein zugänglich und nutzbar zu machen – so lautet das bescheidene Leitbild von Sergey Brin und Larry Page, den beiden Google-Gründern. Und? Ist das Ziel bereits nah? Weit gefehlt. „Wir haben gerade erst begonnen, unsere Mission zu erfüllen", sagte Stefan Keuchel, Sprecher von Google Deutschland, während seines Gastspiels in Braunschweig.

 

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Lediglich 20 Prozent des weltweiten Wissens seien derzeit digitalisiert, erzählte Stefan Keuchel den Studenten der TU Braunschweig und Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften. Es gibt also noch einiges zu tun, auch in Sachen Bücher, die Google fleißig scannt, um sie kostenlos ins Internet zu stellen.

Laut Stefan Keuchel fasst der Buchindex von Google derzeit zehn Millionen Bücher. Dass sein Unternehmen auch aufgrund dieses Projekts nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst wird und massiv in der Kritik steht, dass man es, so der Google-Sprecher, als „Datenkrake" und „Datenmonster" bezeichnet, empfindet er aus PR-Sicht als „eine Herausforderung".

Auf Einladung des Instituts für Entrepreneurship nach Braunschweiggereist, bekam das US-Unternehmen durch den Turnschuhträger und seinen mit Anekdoten gespickten Vortrag ein recht sympathisches Gesicht. So hat laut Stefan Keuchel Googles Faible für Lego, das immer mal wieder auf der Startseite zum Ausdruck kommt, einen einfachen Grund: Die bunten Steinchen hielten das erste Google-Datencenter zusammen.

Eine weitere nette Geschichte: Die Garage, in der Sergey Brin und Larry Page in den Neunzigern den Grundstein für ihren Welterfolg legten, war Google unlängst eine Menge Geld wert. 250.000 Dollar bekam der Eigentümer, wohlgemerkt „nur für die Garage, nicht für das ganze Haus".

Stefan Keuchel vergaß nicht, neueste Errungenschaften vorzustellen, etwa Google Grippe-Trends. Dabei nimmt Google die Menge bestimmter Suchbegriffe – Grippesymptome, Grippemedikamente – als Grundlage für Schätzungen akuter Grippefälle.

In einem Blog schreibt Stefan Keuchel, dass die Daten in den USA „für Gesundheitsämter, Ministerien, Ärzte und die Öffentlichkeit von großem Nutzen" waren. » Google Grippe-Trends gibt es seit wenigen Wochen auch in Deutschland.

Wie bewertet Google die Relevanz einer Website? Was unternimmt Google, um unlautere Praktiken der Suchmaschinenoptimierung in ihre Schranken zu verweisen und den eigenen Index sauber zu halten? Womit genau verdient Google jedes Quartal fünf Milliarden Dollar? Stefan Keuchel wusste Antwort.

Und verkündete zu guter Letzt die Vision der perfekten Suchmaschine: Sie würde genau verstehen, was man meint und genau zurückgeben, was man wissen will. Wie der Bordcomputer auf dem Raumschiff Enterprise. Wann es soweit ist? „In 200 Jahren", meint Stefan Keuchel.

Für kritische Nachfragen seitens der Studenten blieb zum Schluss leider keine Zeit mehr.