23.03.2010

Umfragen zu Internet-Nutzung und Daten-Selbstschutz


Verantwortungsbewusstsein aber auch Informationsdefizite

Von Philipp Nolden. 55 Prozent der Internet-Nutzer sehen die Verantwortung für den Datenschutz bei sich selbst. Jedoch fehlen 47 Prozent Informationen, was man für den Schutz der eigenen Daten im Internet tun kann. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Branchenverbandes BITKOM. Der Verband setzt sich für Aufklärung für den Daten-Selbstschutz aber auch für ein Qualitätsbewußtsein in der Wirtschaft ein. Denn hohe Datenschutz-Standards können ein Standortvorteil sein.

 

In einer im Auftrag des Hightech-Branchenverbandes BITKOM durchgeführten Erhebung gaben von 1000 Befragten 55 Prozent an, die Hauptverantwortung für den Schutz der eigenen Daten im Internet bei sich selbst zu sehen. Für 36 Prozent ist vor allem der Staat zuständig. 8 Prozent sehen die Wirtschaft in der Pflicht. BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer konstatierte anläßlich des Weltverbrauchertages am 15. März ein hohes Bewußtsein für die Eigenverantwortung des Einzelnen im Datenschutz. Zugleich appelliert Scheer an Unternehmen aller Branchen, Datenschutz-Standards als Qualitätsmerkmal zu sehen. „Ein hohes Datenschutz-Niveau in Deutschland kann langfristig ein Standort-Vorteil sein."

Problematisch ist, daß knapp die Hälfte der Internet-Nutzer zu wenig Information hat, was man für den Schutz der eigenen Daten tun kann. Und dieses Problem betrifft einen Großteil der Bundesbürger. Eine ebenfalls durch BITKOM parallel durchgeführte Erhebung ergab, daß 30 Millionen Deutsche Mitglied in mindestens einer Internet-Gemeinschaft sind. Typische Beweggründe sind dabei
Aufbau und Pflege von privaten und beruflichen Kontakten, Austausch über gemeinsame Interessen und Ratschläge für Berufs- und Privatleben. Ein Großteil der Bevölkerung tauscht also sensible Informationen im Internet aus und geht dabei aufgrund von Informationsdefiziten unnötige Risiken ein.

Vor dem Hintergrund der rasant zunehmenden Bedeutung von Internet-Communities hat BITKOM den Arbeitskreis „Social Media" ins Leben gerufen. Dieser beschäftigt sich mit Communities, offenen Netzwerken und Social-Media-Plattformen in Unternehmen. Generell beschäftigt sich der Verband intensiv mit Fragen des Datenschutzes, des Jugendschutzes und der Sicherheit sozialer
Netzwerke. Hierzu werden auch Verbraucherhinweise veröffentlicht.

Für die ITK-Branche kündigte Scheer an, die Aufklärung für den Daten-Selbstschutz weiter auszubauen. „Die schärfsten Gesetze bringen nichts, wenn Nutzer unbedacht zu viel Privates preisgeben." Im Web gebe es einen Graben zwischen Unbekümmerten und Übervorsichtigen: „Die einen geben bedenkenlos ihr ganzes Leben preis – inklusive intimster Informationen, die früher in
Tagebüchern weggeschlossen wurden. Die anderen machen weder Online-Shopping noch -Banking, aus Angst vor Ausspähung."

Die BITKOM-Branche beteiligt sich an Initiativen wie „Deutschland sicher im Netz" und „Watch Your Web", die unter anderem Jugendlichen Tipps zur Privatsphäre geben. Mit „FragFinn" hat die Branche einen sicheren Surf-Raum für Kinder im Internet geschaffen. BITKOM veröffentlicht darüber hinaus in Kooperation mit Ministerien und Behörden Nutzerhinweise.

Der BITKOM begrüßt die von der Bundesregierung geplante „Stiftung Datenschutz" und wird sie unterstützen. „Die Stiftung Datenschutz sollte den Informationsstand der Bürger weiter fördern und Vorschläge für ein modernes Datenschutzrecht machen", so Prof. Scheer. „Gleichzeitig kann sie einen freiwilligen Datenschutz-Check für Anbieter entwickeln." Damit könnten Firmen ausgezeichnet werden, die sich besonders engagieren. 54 Prozent der Internet-Nutzer wünschen sich ein staatliches Datenschutz-Siegel für Angebote im Internet.