15.06.2010

Internet der Dinge


Wenn Kaffeemaschinen plötzlich kommunizieren

Das Internet verbindet nicht nur Menschen, sondern auch Gegenstände. Etwa in Bibliotheken, wenn RFID-Chips auf Umschlägen die Bücherausleihe regeln; oder innerhalb intelligenter Stromnetze, die das Kommando über den Energieverbrauch ganzer Häuserblocks übernehmen. Und in unseren eigenen vier Wänden? Wird sich die Wäschetrommel demnächst mit der Heizung verständigen?

 

„Sicher ist, dass das Internet der Dinge genauso wie das Internet selbst eine technische Revolution ist", sagt LINEAS-Geschäftsführer Michael Goldapp, „aber noch ist schwierig vorauszusagen, welche Applikationen diese Revolution in unseren Wohnungen so richtig in Gang setzen werden."

Ein typischer deutscher Haushalt verfügt über 50 Elektrogeräte, und die meisten dieser Geräte werden nach Einschätzung des Branchenverbands Bitkom internetfähig sein.

Vom Fernseher über die Waschmaschine bis hin zur Lampe: „Bald gibt es das Eine-Fernbedienung-Haus. Mit dieser einen Fernbedienung oder einem Handy werden alle elektronischen Haushaltsgeräte gesteuert", sagte Michael Schidlack, bei Bitkom Experte für Heimvernetzung und Consumer Electronics.

Fantasie vs. Realität

Die Betonung liegt auf ´bald`. Das Internet der Dinge befeuert zwar die Fantasie, aber zur Realität ist die Heimvernetzung noch nicht geworden. Etwa die viel zitierte Kaffeemaschine, die sich den Mahlgrad für ihre Bohnen aus dem Internet holt und die via Smartphone an- und ausgestellt wird.

Womöglich wird sich vieles von dem als Gag erweisen, was der ein oder andere bereits ausführlich prognostiziert hat. Michael Goldapp: „Ich nehme stark an, dass auch in Zukunft die meisten Menschen ihre Kaffeemaschine mit der Hand bedienen wollen."

TV und Web werden eins

Immerhin: Ein erfolgreiches Beispiel für die Vernetzung in der Wohnung gibt es bereits – nämlich das Zusammenwachsen von TV und Web. Im vergangenen Jahr wurden laut Gesellschaft für Konsumforschung mehr als eine halbe Million TV-Geräte mit integriertem Webzugang verkauft.

In diesem Jahr werden es nach Angaben von Bitkom rund zwei Millionen Geräte sein. Damit ist mehr als jeder fünfte verkaufte Flachbildfernseher internetfähig – Tendenz klar steigend. 2011 soll sich der Absatz dieser hybriden TV-Geräte auf rund vier Millionen Stück verdoppeln.

Forschung in Braunschweig

Michael Goldapp, dessen Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit Research in Motion Applikationen für dessen BlackBerry herstellen und die als Vernetzungsexperten gelten, verweist auf ein weiteres Anwendungsgebiet für das Internet der Dinge: die Einbindung von Informations- und Kommunikationstechnik in das Gesundheitswesen. „In dem Projekt eHealth.Braunschweig arbeiten wir intensiv daran."

So in einem am Braunschweiger Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik beheimateten Labor – quasi die Wohnung der Zukunft. Sie schaut auf dem ersten Blick mit Schlaf- und Wohnzimmer, mit Bad- und Wohnbereich ganz normal aus. Ist jedoch mit Assistenzsystemen wie Sturzsensoren und Herzfrequenzmesser ausgestattet, die bei kritischen Werten diese Informationen an den Arzt senden.

Ein Leben zu Hause

Die Wissenschaftler der TU Braunschweig wollen dazu beitragen, dass Seniorinnen und Senioren so lange wie möglich ein unabhängiges Leben in den eigenen vier Wänden führen können. Michael Goldapp: „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich das Internet der Dinge gerade in diesem Bereich schnell ausbreiten wird."

Die vernetzte Kaffeemaschine dagegen wird wohl noch länger auf sich warten lassen (boy).