10.04.2013

Neue Wertschöpfungsketten


Werden 3D-Drucker die Wirtschaft revolutionieren?

Wer bei der jüngsten CeBIT durch die Messehallen zog und die Stände der Aussteller inspizierte, konnte sich eines Eindrucks nicht erwehren: Um 3D-Drucker wird ein riesengroßes Bohei gemacht. Zu Recht? Die Branche meint: ja. 81 Prozent aller Unternehmen der Informations- und Telekommunikationstechnologie rechnen damit, dass 3D-Drucker die Wirtschaft stark verändern – und drei Prozent stufen die Geräte sogar als revolutionär ein.

3D-Drucker werden sich am Markt durchsetzen und enormen Einfluss auf große Teile der Wirtschaft haben. Das ist der Tenor der repräsentativen Befragung im Auftrag des Branchenverbands Bitkom.

„3D-Drucker haben das Potenzial, schon in wenigen Jahren viele Wirtschaftszweige nachhaltig und stark zu verändern", sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder am Rand der Hannover Messe.

Geschirr und Prothesen auf Knopfdruck

Nicht nur Güter des täglichen Gebrauchs wie Geschirr und Designgegenstände, Spielzeug oder Materialien für Heimwerker könne man künftig mit 3D-Druckern zu Hause nach Bedarf herstellen.

Langfristig sei es sogar denkbar, dass auch Ersatzteile fürs Autos oder gar Zahnfüllungen und Prothesen vor Ort in Werkstätten oder Arztpraxen mit speziellen 3D-Druckern produziert wurden. Zurzeit sind sie ab 2.000 Euro zu haben.

Wie Töpfer und Maurer

Wie funktionieren 3D-Drucker? Das Grundprinzip lässt sich am besten so beschreiben: Sie kehren die Formgebung von Gütern um.

Normalerweise wird Material abgetragen: etwa ein Stück Metall oder Holz von Maschinen oder Menschen gefräst, geschliffen, gedreht, gedengelt oder gedrechselt. Experten sprechen von zerspanender Bearbeitung. Das Endprodukt entsteht also durch Trennung – ähnlich wie bei einem Bildhauer, der einen Marmorblock bearbeitet.

3D-Drucker hingegen arbeiten ähnlich wie Töpfer oder Maurer: Ein Produkt wird gefertigt, indem Material schichtweise aufgebaut wird – nur automatisch.

Produkt aus Computerdatei

Zunächst wird das Produkt in einem Datensatz als virtuelles 3D-Modell beschrieben. Beim Druck dieser Datei wird in der Regel ein Grundstoff (meist flüssiger Kunststoff, aber auch Keramik oder Metall) Schicht für Schicht per Spritzdüse auf einer Grundfläche aufgebracht, dann wird die Fläche millimeterweise abgesenkt und die neue Lage aufgebracht. So entsteht aus einer Computerdatei ein dreidimensionales Produkt.

Neue Denke im Markenschutz

Rohleder meint, dass 3D-Drucker viele Branchen vor enorme Herausforderungen stellen und Wertschöpfungsketten stark verändern würden. „Und auch der Produkt- und Markenschutz muss ganz neu gedacht werden."