Die demografische Entwicklung stellt die Medizin vor eine große Aufgabe. Es wird weniger junge und mehr ältere Menschen geben, wodurch die Anzahl chronischer Erkrankungen genauso steigt wie die Anforderungen an die Ärzte.
Das Projekt eHealth.Braunschweig, das neben dem BITZ weitere Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft vereint und durch EU-Mittel gefördert wird, will die Herausforderung meistern – und zwar durch die Einbindung von Informations- und Kommunikationstechnologien in die Gesundheitsversorgung. Um dadurch die medizinische Versorgung nicht nur aufrechtzuerhalten, „sondern zu verbessern", sagt Maik Plischke.
Die Medizintechnik gilt als Wachstumsmarkt. Rund 60 Prozent der Deutschen über 65 Jahre, so eine aktuelle repräsentative Umfrage des Branchenverbands Bitkom, wollen Telemedizin als Alternative zur stationären Behandlung nutzen.
Zur Telemedizin zählen zum Beispiel Alarmsysteme wie Sturzsensoren und Sensoren zur Erfassung wichtiger Vitalparameter wie Herzfrequenzmesser, die telemedizinische Daten in hoher Qualität und über große Distanzen vom Patienten zur Pflegekraft oder zum Arzt übermitteln und dazu beitragen, dass ältere Menschen länger in ihrem Zuhause leben können. Treten kritische Werte auf, werden Pflegekräfte und Mediziner frühzeitig informiert und können entsprechend handeln.
Aus der Entwicklung solcher vernetzter Versorgungsdienste nährt sich der Anspruch von eHealth.Braunschweig. „Es ist unser Ziel, in den kommenden drei Jahren prototyphaft aufzuzeigen, wie patientenzentrierte Versorgung aussehen kann", sagt Maik Plischke.
In Braunschweig wird in diesem Zusammenhang auch intensiv geforscht. Gestaltung altersgerechter Lebenswelten ist ein niedersächsischer Forschungsverbund, in dem mehr als 40 Forscher assistierende Technologien für die Haushalte der Zukunft entwickeln. Sprecher der Forschungsverbundes sind Professor Reinhold Haux vom Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik (PLRI) der TU Braunschweig sowie Professor Andreas Hein vom OFFIS in Oldenburg.
Der größte Schatz des PLRI ist ein Labor, wie man es selten sieht: die Nachbildung einer altersgerechten Umgebung mit Schlafzimmer, Bad, Koch-, Ess- und Wohnbereich; ausgestattet mit Bewegungsmeldern, Drucksensoren und auch einer Sensorik, die beispielsweise das Heimfahrrad-Training von Patienten überprüfen kann.
Im hohen Alter ein selbstständiges Leben führen zu können – ein angenehmer Gedanke, der auf der langen Bank nichts zu suchen hat.