Starke Runde (von links): Steffen Helbing, Manuel Höferlin, Florian Bernschneider, Axel Grotjahn und Torsten Matthies Foto: F. Fauth
Starke Runde (von links): Steffen Helbing, Manuel Höferlin, Florian Bernschneider, Axel Grotjahn und Torsten Matthies Foto: F. Fauth

IT-Tag in Braunschweig, Teil III

Fachkräfte und Ausbildung, Abgaben und Breitband

Die Teilnahme auf dem Podium blieb nicht der einzige Programmpunkt für Florian Bernschneider und Manuel Höferlin. IT-Region 38 bat die Bundestagsabgeordneten vor der Diskussion zu einer Reihe von Unternehmensbesuchen, um die Branche besser kennenzulernen. Hier die Statements aus den Häusern von EVES, DEVIL, LINEAS und DAVID, worüber die Geschäftsführer mit ihnen sprachen.

Uwe Treubrodt, Vorstand EVES Technology AG:
„Ich habe es sehr erfrischend gefunden, so junge und agile Politiker am Tisch sitzen zu haben. IT-Fachkompetenz und auch das Verständnis, den Stellenwert unserer Branche weiter hervorheben zu müssen, waren deutlich zu spüren. Uns von EVES war es wichtig, die beiden dafür zu sensibilisieren, dass viele Absolventen der Hochschulen nicht gut genug für den Markt ausgebildet werden – wir wünschen uns mehr Praxiserfahrung. Am liebsten wäre uns ein Mix: dass die Studierenden erstens Kenntnisse in ihrer Fachrichtung wie Elektrotechnik oder Maschinenbau aufweisen können; dass sie zweitens praktische IT-Kenntnisse gesammelt haben; und dass die Studierenden drittens auch überfachliche Qualifikationen in Projektmanagement oder Betriebswirtschaft haben – damit sie nicht allein fachlich überzeugen können."

Thorsten Matthies, Vorstand DEVIL AG:
„Wir haben zwei große Themen besprochen, die für DEVIL wichtig sind. Zum einen: Wir haben große Probleme, geeignete Vertriebler zu finden – und noch größere, Entwickler und Programmierer zu bekommen. Zum zweiten: Seit der Reform des Urheberrechtsgesetzes ist vieles in der Schwebe, was uns als Händler von Festplatten oder USB-Sticks betrifft. Es herrscht Unsicherheit über die GEMA-Abgaben für jedes verkaufte Speichermedium – wir wissen nicht, wie viele Rücklagen wir bilden müssen. Dass die Abgaben in Europa unterschiedlich hoch sind, erweist sich für deutsche Distributoren als Wettbewerbsnachteil."

Dr. Michael Goldapp, Geschäftsführer LINEAS Informationstechnik GmbH:
„Ich bin positiv überrascht, dass im Bundestag IT-Experten sitzen – das war mir nicht bewusst, bevor ich Manuel Höferlin kennengelernt habe. Wir von LINEAS haben den Besuch genutzt, auf die Chancen und Problemfelder unserer Branche zu zeigen. Zum einen auf die für IT-Unternehmen noch nicht ausreichende Breitband-Verkabelung; zum anderen auf den Fachkräftemangel – auch wenn wir wissen, dass die Bundesregierung hier an ihre Grenzen stößt, weil auch viele andere Branchen davon betroffen sind. Was jedoch wichtig wäre: die Einkommensgrenze für Zuwanderung aus Nicht-EU-Ländern zu senken. Die ist mit 66.000 Euro im Jahr viel zu hoch."

Frank Ptok, Geschäftsführer DAVID GmbH:
„Im Gespräch mit den Abgeordneten hatten wir die Gelegenheit, ein für die IT-Branche besonders wichtiges Thema anzusprechen – Softwarepatente. Eine Gefahr droht durch sogenannte Trivialpatente: Der Entwickler würde bereits bei der Entwicklung simpelster Funktionen – etwa das Herunterladen und Abspeichern einer E-Mail oder der Anzeige eines Fortschrittsbalken – Gefahr laufen, Patentrechte zu verletzten. Amerikanische Anwaltbüros sind auf derartige Abmahnungen und Schadensersatzklagen spezialisiert. Hier ist die Bundespolitik dringend gefordert, entsprechend auf die EU-Politik Einfluss zu nehmen.
Wir bei DAVID legen großen Wert auf eine fundierte und facettenreiche IT-Ausbildung. Dabei ist es uns wichtig, dass die theoretischen Hintergründe ebenso vermittelt werden wie praktische Fähigkeiten. Die Stärke von Ausbildungsbetrieben liegt aus meiner Sicht in der praxisorientierten Wissensvermittlung. Schwerpunkt an den Hochschulen ist die theoretische und wissenschaftlich orientierte Ausbildung. Daher sehe ich große Synergieeffekte in der Kooperation. Beispielhaft dafür ist die Zusammenarbeit zwischen Ausbildungsbetrieben und Fachhochschulen im Rahmen der dualen Ausbildung. Ich würde es mir wünschen, wenn auch die Universitäten ihre Türen für entsprechende Kooperationsmodelle der Aus- und Weiterbildung öffnen würden. Ein Vorschlag von uns ist die Ausgestaltung einzelner Vorlesungen in der Form, dass abschließende Prüfungen auch außerhalb der Unis eine Art Zertifikatscharachter besitzen."

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