Susanne Robra-Bissantz im Interview
Susanne Robra-Bissantz im Interview

"Auf der Sonnenseite der Wirtschaftsinformatik"

Lehre und Forschung im Gespräch

Susanne Robra-Bissantz bildet zusammen mit Dirk Mattfeld das Professorenteam im Institut für Wirtschaftsinformatik der TU Braunschweig. Im Interview mit IT-Region 38 spricht die Professorin, die vor zwei Jahren von der Uni Erlangen-Nürnberg nach Braunschweig gegangen ist, über das gute Klima zwischen den Polen, den Einsatz von E-Services an der Kundenschnittstelle und Wettbewerbsvorteile, die Unternehmen mit Hilfe der Wirtschaftsinformatik gewinnen.

Frau Robra-Bissantz, von Aalen bis Zwickau bieten Hochschulen Wirtschaftsinformatik an. Warum sollten sich Studierende für Braunschweig als Studienort entscheiden?

Weil Wirtschaftsinformatik in Braunschweig extrem spannend ist. Wir bewegen uns zwischen zwei Polen: zwischen der quantitativen und qualitativen Forschung, zwischen operativer und strategischer Ausrichtung, zwischen Theorie und Praxis. Ich glaube, dass unsere Studenten sehr glücklich mit der Lehre sind. Braunschweig steht auf der Sonnenseite der Wirtschaftsinformatik, in der Uni herrscht ein sehr gutes Klima.

Wo kommt die Vermengung von Theorie und Praxis in Ihrer Wirtschaftsinformatiklehre zum Ausdruck?

Die Region, ob in Forschung oder Praxis, vernetzt sich gut, wie auch IT-Region 38 beweist. Wir haben es geschafft, die Wirtschaftsinformatik in die regionale Wirtschaft einzubinden. In jedem Semester bieten wir fünf praxisnahe Seminare an, beispielsweise ein E-Commerce-Projekt, das wir im Auftrag von Unternehmen umsetzen. In solchen Seminaren bekommen unsere Studierenden feste Rollen wie die des Projektmanagers oder des kreativen Designers, die klare Vorgaben zu erfüllen haben. In diesen festen Strukturen sollen sich die Studenten frei bewegen und ihre Ziele erreichen.

Welches Interesse hat die Wirtschaft, mit der Wirtschaftsinformatik zusammenzuarbeiten?

Die Produkte werden immer austauschbarer. Aber mit elektronischen Diensten können Unternehmen ihren Kunden mehr Service, mehr Leistung bieten. Wir sind der Meinung, dass diese Dienste für einen Wertzuwachs sorgen.

Wie kann das konkret aussehen?

An der Kundenschnittstelle erzielen Unternehmen durch den Einsatz von E-Services Wettbewerbsvorteile. Sie können beispielsweise eine Plattform bereitstellen, auf der sie Informationen zu neuen Produkten sammeln und so den Kunden in die Produktentwicklung einbeziehen. Ich bin mir sicher: Um erfolgreich sein zu können, müssen Unternehmen zunehmend mit Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern in den Diskurs treten.

Ist die Wirtschaft dazu bereit?

Susanne Robra-Bissantz: Es gibt einen langsamen Wandel. Die Dienstleistungsunternehmen sind am weitesten, sie sind am stärksten auf Interaktionen mit Kunden angewiesen.

Was kann man in Zukunft von der Braunschweiger Wirtschaftsinformatik erwarten?

Wir sind ein junger, unglaublicher motivierter Lehrstuhl, der das Verhältnisdreieck aus Mensch, Technik und betriebswirtschaftlicher Anwendung betrachtet. Motiviert auch deshalb, weil der Lehrstuhl ganz am Anfang steht und wir sehr viele Fragen zu beantworten haben. Welche Gestaltungsmöglichkeiten für kundenorientierte elektronische Dienste gibt es? Welche Auswirkungen haben sie auf das Verhältnis zwischen Unternehmen und Kunden? Was macht die Technologie mit den Menschen? Die Entwicklung der Technologie hat die Forschung überrascht – und wir haben ganz viel vor.

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