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„Bei den dualen Studienplätzen sind wir Spitze“

Bieten viel Gesprächsstoff: Peter Stuwe (links) und Wolf-Peter Buchwald
Neuer Name, neuer Standort, neue Studierende – kurz vor Vorlesungsbeginn bietet die Ostfalia viel Gesprächsstoff. Stefan Boysen bat Professor Peter Stuwe, Dekan der Fakultät Elektrotechnik in Wolfenbüttel, und Wolf-Peter Buchwald, Professor für Informationstechnik, an einen Tisch – und unterhielt sich mit den beiden über die Vorteile des Kleinstadtidylls, Veränderungen in der Lehre und das Land der Ostfalen.
Die Spannung für die Erstsemester steigt, das Wintersemester läutet für sie einen neuen Lebensabschnitt ein. Wie erleben Sie als Professoren die letzten Tage vor Beginn eines neuen Semesters?
Peter Stuwe: Bei uns in Wolfenbüttel ist ja schon jetzt jede Menge los. Zurzeit ist es gar nicht so einfach, seinen Weg durch die Hochschule zu finden, weil so viel gebaut wird: Wir statten die Labore neu aus, verbessern die studentischen Arbeitsräume. Und viele Studierende sind schon da, obwohl die Vorlesungen noch nicht begonnen haben – sie üben in den Vorkursen und laufen sich sozusagen warm.
Mit wie vielen Neuen rechnet die Fakultät Elektrotechnik in diesem Semester?
Peter Stuwe: Die Fakultät nimmt jedes Jahr ungefähr hundert Studierende auf. Im Studiengang Informationstechnik & Kommunikationssysteme stehen zurzeit noch wenige Plätze für Spätentschlossene zur Verfügung.
Warum die Zurückhaltung?
Peter Stuwe: Aus Gesprächen wissen wir, dass der Stellenabbau in den Telekommunikationsunternehmen manch einem Sorgen bereitet. Dabei übersehen Studieninteressierte, dass die Situation nach Abschluss ihres Studiums in etwa vier Jahren ganz anders aussehen kann. Die Informationstechnik bietet viele Zukunftschancen. Gerade die Kommunikation im Energiebereich – insbesondere die zwischen Verbrauchsmessgeräten, sogenannten Smart-Meters – ist ein Wachstumsbereich mit riesigem Potential.
Warum raten Sie jungen Menschen, in Wolfenbüttel zu studieren?
Wolf-Peter Buchwald: Wir haben einen Standortvorteil. Wer bei uns studiert, ist in einem Kleinstadtidyll zu Hause, in Wolfenbüttel lebt und gestaltet man sein Studium luftiger als in Großstädten. Die Stadt zeichnet aus, dass sie von wichtigen Industrieunternehmen umgeben ist, zu denen wir feste Verbindungen pflegen. Beispielsweise zu Volkswagen, Siemens und der IAV, aber auch zu kleineren Mittelständlern in Braunschweig, Salzgitter oder Goslar.
Peter Stuwe: Wir genießen den Ruf, ein sehr anwendungsorientiertes und anspruchsvolles Studium anzubieten. Unsere Erfahrung in der Lehre ist sehr groß, bereits 1928 wurden hier die ersten Ingenieure in der Elektrotechnik ausgebildet. In den vergangenen Jahren hatten unsere Studierenden bereits wenige Wochen nach Studienabschluss einen Arbeitsvertrag in der Tasche – das zeigt, dass das Studium und die Anforderungen der Industrie gut zusammenpassen.
Zu den Einsatzgebieten der Elektrotechnik kommen ständig neue dazu. Wie halten Sie die Lehre in Bewegung?
Peter Stuwe: Ab Sommersemester 2011 gibt es in Wolfenbüttel neben dem Bachelor- auch ein Masterangebot, das als Vollzeitstudium drei Semester dauert. Zurzeit bereiten wir auch eine Teilzeit-Option vor, sodass berufstätige Ingenieure neben dem Studium weiter in ihren Unternehmen arbeiten können. Der Studiengang trägt den Namen Electronic Systems. Dabei geht es darum, Systeme als Ganzes zu begreifen und Systemverständnisse zu entwickeln. Es werden zwei Studienrichtungen angeboten: zum einen Systems & Communication mit Vertiefungen in der Informations- und Kommunikationstechnik, zum anderen Mobility & Automation mit Vertiefungen in der Elektromobilität und in der Automatisierungstechnik.
Was verändert sich noch?
Peter Stuwe: Der Studiengang Automatisierung & Energiesysteme bekommt neben diesen beiden eine dritte Studienrichtung: die Elektromobilität, die zu den zentralen strategischen Handlungsfeldern der Technologieentwicklung der Bundesregierung zählt. Ziel ist, dass Deutschland seine Marktführerschaft in der Automobilindustrie behält, wenn das Elektrofahrzeug kommt. Wir sind eine der ersten deutschen Hochschulen, die die Studienrichtung Elektromobilität im nächsten Jahr anbieten wird.
Zieht die Wirtschaft mit?
Peter Stuwe: Dass die Elektromobilität zum Schwerpunkt wird, ist einer der Gründe, warum Unternehmen aus der Region, darunter auch Volkswagen, das Modell des dualen Studiums mit uns ausgebaut haben. Dabei kann man an der Hochschule studieren und in der vorlesungsfreien Zeit sowie in zwei Berufsausbildungssemestern seinen Facharbeiter machen. Gerade hat Volkswagen die Anzahl der Plätze auf 36 pro Jahr erhöht, zusammen mit den anderen Kooperationspartnern bietet unsere Fakultät jedes Jahr mehr als 50 duale Studienplätze an. Die Verzahnung Hochschule/Wirtschaft ist sehr erfolgreich, bei den dualen Studienplätzen ist die Ostfalia im Vergleich mit den anderen deutschen Universitäten und Fachhochschulen Spitze.
Herr Buchwald, Sie sind der Auslandsbeauftragte der Fakultät Elektrotechnik. Welche Rolle spielen die internationalen Kontakte?
Wolf-Peter Buchwald: Eine große. Wir betreiben einen hohen Aufwand, dass unsere Studierenden ins Ausland gehen können – auch finanziell. Wir haben mit mehreren Universitäten Kooperationsverträge abgeschlossen. Ohne die wäre es auch gar nicht möglich gewesen, dass gerade einer unser Studierenden in die USA zur Purdue University geht, an der normalerweise Studiengebühren in Höhe von rund 12.000 Dollar pro Semester geleistet werden müssen. In Wolfenbüttel gibt es viele ausländische Studierende. Wir haben beispielsweise einen engen Kontakt nach China, in diesem Wintersemester stoßen wieder fünf junge Chinesen zur Fakultät hinzu.
Letzte Frage: ´Ostfalia – Hochschule für angewandte Wissenschaften` lautet seit 1. September 2009 der Namenszusatz der FH. Warum?
Peter Stuwe: Der Name Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel bildete nicht mehr die Realität ab. Im kommenden Jahr wird der Standort Braunschweig nach Wolfenbüttel an den Campus ´Am Exer` verlagert, der zurzeit für mehrere Millionen Euro umgebaut wird. Dann haben wir die Standorte Wolfenbüttel, Wolfsburg, Salzgitter und auch Suderburg, das seit dem 1. September zu uns gehört. Ostfalia ist ein kurzer, prägnanter Namenszusatz mit regionalem Bezug – denn um das Jahr 1000 wohnten in der Region von Uelzen bis hinter Wolfsburg und Salzgitter, also unserem Einzugsgebiet, die Ostfalen.
Wolf-Peter Buchwald: Der Name Ostfalia ist eine schöne Klammer für all unsere Standorte. Er soll das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken und für unseren gemeinsamen starken Auftritt stehen.
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