April 2009

Luc probiert das E-Book aus

Mehrere Wochen lang erhielt ich Werbung über das neue E-Book von Sony. Seit zehn Jahren versuchen Hersteller ein elektronisches Buch auf den Markt zu bringen. Die ersten Geräte hatten noch Probleme, aber die Entwickler haben hartnäckig weiter daran gearbeitet, anfängliche Fehler behoben und verbesserte Versionen versprochen. Experten haben kurz vor der diesjährigen Leipziger Buchmesse in der Presse den längst erwarteten Durchbruch prophezeit. Der Bildschirm sei flimmerfrei und sehe nach Papier aus. Man könne gleichzeitig problemlos mehrere Bücher mit sich tragen.

Fleißig habe ich alle Artikel, die über das E-Book geschrieben wurde, gelesen. Und so bekam ich mit, dass das Gerät ab dem 11.03.2009 verkauft würde. Ich wurde neugierig. Früher waren es die Nutzer, die die Produkte kultig gemacht haben, heute sind es die IT-Konzerne selbst, die versuchen durchzusetzen, dass die Konsumenten ihr Gerät für kultig halten, indem sie einen Stichtag für die Einführung festlegen und für eine entsprechende PR-Kampagne sorgen. Es hat bei iPhone und Playstation funktioniert, die Kunden stürmten weltweit die Läden, und warum jetzt nicht bei dem E-Book von Sony. Ich habe denselben Ansturm erwartet und bin aus diesem Grund am 11.03.2009 früh am Morgen zu einer Buchhandlung marschiert. Ich wollte als Erster das Gerät in die Hand nehmen und freute mich, als ich ankam und feststellte, dass ich tatsächlich der Erste war. Ich postierte mich, holte meine Thermoskanne aus der Tasche, goss die dampfende Flüssigkeit in den Deckel und trank genüsslich einen Schluck.

Ich sah die Stadt aufwachen. Reinigungs- und Müllwagen fuhren vorbei, Lkw lieferten in verschiedene Läden ihre Ladungen ab. Alle Menschen, die ich zu diesem Zeitpunkt gesehen habe, waren in Bewegung, aber ich stand allein vor dem Buchladen, langweilte mich und zitterte vor Kälte. „Ich bin doch der Erste“ , dachte ich, „wann kommen die anderen Käufer? Will niemand außer mir das E-Book ansehen oder kaufen?“
Ich zählte die Stunden: fünf, sechs, sieben, acht und neun. Ich war immer noch allein, bis der erste Mitarbeiter kam. „Was hat Sie so früh hierher getrieben?” fragte der Verkäufer. Das E-Book von Sony natürlich. Er guckte mich leicht verblüfft an und öffnete den Laden. Ich näherte mich als er mir sagte, dass das Gerät vorhanden sei. Ich solle ein bisschen warten, bis er fertig würde. Sie machen um halb neun auf. Ich nickte und holte dieses Mal enttäuscht die Thermoflasche aus meiner Tasche.
Ich fror am ganzen Körper. Ich überlegte kurz nach Hause zu gehen, aber die Neugier hielt mich dort fest. Endlich öffnete der Buchladen seine Tür.

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