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Das menschliche Google
Schon in meiner Jugend habe ich festgestellt, dass Informationen ein höchst interessantes und wichtiges Gut sind. Damals hörte ich jeden Tag, früh morgens, bevor ich mich auf den Weg zur Schule machte, die Nachrichten von Radio France Internationale, BBC, der deutschen Welle aus Köln und natürlich unseren nationalen Sender. Die Sender hatten ihre Nachrichten so ausgestrahlt, dass man sie alle hintereinander hören konnte.
Ich suchte alle Frequenzen ab nach neuen Nachrichtensendern. Welch eine Freude, als ich eines Tages einen südafrikanischen Radiosender erwischte. Ich hörte ihnen eine Weile zu und stellte schon in den Achtzigern fest, wie absurd die Apartheid war. Der Informationskrieg zwischen der südafrikanischen Regierung und der Befreiungsorganisation ANC war erbittert. Das Apartheidregime wetteiferte mit dem ANC und versuchte dauernd gegen ihre Meldungen Stellung zu beziehen und sie zu diskreditieren. Sobald eine Militärjunta sich in einem afrikanischen Land an die Macht gepuscht hat, gehörten die Radiostationen zu den ersten Objekten, die sie besetzte.
Ich war süchtig nach Informationen. Ich abonnierte mehrere Jugendzeitschriften und las alles, was mir unter die Finger fiel. All diese Informationen stammten meiner Meinung nach von normalen Unternehmen, unter anderem von Verlagen, die so Geld verdienten. Aber während meines Studiums in Moskau entdeckte ich, wie ein privater Mensch den Informationsbedarf eines anderen für sich nutzen konnte, um an Geld zu kommen.
Anfang der Neunziger hatte eine Wirtschaftskrise Russland im Griff. Die Löhne reichten nicht und wurden in manchen Fällen gar nicht bezahlt. Ich wollte eines Tages einen Freund, der mit dem Zug anreiste, am Bahnhof abholen. Die Anzeigetafel, die die Ankunft- und Abfahrtszeiten der Züge verkündete, war aus. Ich ging zu einer Kabine, auf der ein Schild mit der Schrift „Information“ stand. Ich fragte die junge Dame, die darin saß, ob der Zug angekommen sei oder Verspätung habe. Sie zeigte schweigend mit dem Finger auf einen Zettel, den sie auf die Glasscheibe geklebt hatte. Ich lenkte meinen Blick darauf und las, was da stand: „5 Rubel pro Frage“. Wahrscheinlich wollte die Dame ihren, wegen der Inflation, geschrumpften Lohn aufbessern.
Ich bezahlte das Geld und bekam auf einem Zettel, die Ankunftszeit des Zuges. Für alle, die es vergessen haben, damals gab es noch kein Handy! Also konnte mein Freund mir nicht bescheid sagen, dass der Zug Verspätung hatte.
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