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Delokalisierung und Identifikation
Man kann nicht genug über die Veränderungen, die das digitale Zeitalter mit sich gebracht hat, schreiben. Die Delokalisierung und die Identifikation kamen mir in den Sinn, nachdem unser Hausmeister mir über seine Lage berichtet hatte. Sein Sohn wollte wissen, für welches Unternehmen er arbeitete. Der Vater sagte ihm den Namen der Firma, dann fragte der Sohn, ob die Firma groß sei. Er überlegte kurz und antwortete, dass er das nicht genau wusste. Er habe Kollegen, die er nie sehe, er kenne seinen Chef nicht. Er war nur einmal in dem Büro, um seinen Vertrag zu unterschreiben und seitdem bestehe der Kontakt mit seinem Unternehmen nur über Telefon und Bankkonto.
„Das bedeutet, du arbeitest für ein geistiges Unternehmen”, erwiderte der Sohn. Er hatte Recht. Einer, der nicht in der Lage ist, seinen Arbeitgeber einem Ort zuzuordnen, kann seinen Kindern nur mit Schwierigkeiten zeigen, wo er arbeitet. Er konnte seinem Sohn nur das Logo der Firma vorlegen. Früher war er Hausmeister in einem Gebäude. Seine Frau setzte ihn dort jeden Tag ab und holte ihn, wenn er mit der Arbeit fertig war, ab. Dann kam die große Zeit der Rationalisierungen und Sparmaßnahmen. Der Betreiber des Gebäudes strich seine Stelle und entließ ihn. Dann, für einen Bruchteil seines Lohnes, beauftragte er eine Hausmeistergesellschaft, die Aufgaben des Hausmeisters zu erledigen. Die Hausmeister-Gesellschaft stellte ihn zu demselben Lohn ein und übergab ihm die Betreuung von fünf weiteren Gebäuden. Er bekam ein Auto und fuhr zu festgelegten Terminen zu den verschiedenen Objekten. Die Bewohner schrieben E-Mails, wenn sie einen Schaden melden wollten. Für Notfälle hatten sie seine Handynummer.
Am Anfang fand er seine Tätigkeit abwechslungsreich und genoss die Tatsache, dass er nirgendwo richtig gebunden war. Wenn die Unternehmen mehr Geld verdienen wollen, sprechen sie leider immer von Sparmaßnahmen. So wollte der neue Arbeitgeber des Hausmeisters den Umsatz steigern und beschloss die Zahl der Mitarbeiter zu reduzieren. Er bekam mehr Objekte und arbeitete noch länger, als im Vertrag vereinbart war, sodass er nicht mehr wusste, wie er die Überstunden abbauen konnte. Weil ihm gesagt wurde, dass ihm nicht gekündigt würde, weil er einer der besten Mitarbeiter des Unternehmens war, traute er sich nicht zu protestieren.
Der Arbeitergeber schien nicht mehr daran zu glauben, dass seine Angestellten tatsächlich alle Objekte in der vorgegebenen Zeit beaufsichtigen können und fing an, die Autos per GPS zu überwachen. Dadurch, dass er soviel Überstunden machte, wurde seine Frau misstrauisch und fing an, seine Dienstpläne zu studieren und ihn per Handyortung zu verfolgen. Eine Funktion, die sie ohne sein Wissen aktiviert hatte.
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