Lucs Kolumne

„Ein Kopierladen hat sich gewehrt“

Von Luc Degla

Die Medien berichten dauernd über den Klimawandel und über alles, was CO2 produziert und dadurch die Umwelt belastet. Sie reden einem ständig ins Gewissen: Nicht fliegen, kein Auto fahren, Ökostro m beziehen, Strom sparende Server kaufen usw. Man kann sich nicht vor den Berichten in den Zeitungen, im Fernsehen, im Radio schützen, ständig muss man daran denken, egal, was man tut.

Die Kühe sind schädlich, weil sie auf der Weide viel Gas ausstoßen und schon beim Essen von Kohl muss man sich Gedanken machen, obwohl man alle Vorkehrungen trifft, um den Kollegen oder der Partnerin die Luft nicht zu verunreinigen.

Egal wie umweltbewusst wir leben wollen, manchmal zwingt uns die Natur, unser Verhalten zu überdenken. Das Schneechaos im Januar belehrte uns, dass wir irgendwann doch Auto fahren müssen. Ich gestehe, dass ich das Auto auch für kurze Strecken genommen habe. Ich sah, wie gefährlich Radfahren sein kann, der eiskalte Wind läßt durch den Staudruck die Finger erstarren, und es kann einem schon richtig kalt werden. Die ungeräumten Radwege zwangen die Radfahrer auf die Fahrbahn, sie schwankten wie Betrunkene hin und her und ignorierten das Hupen der Autofahrer. Sie sind auch Steuerzahler und haben das Recht sich mit welchem Mittel auch immer zur Arbeit fortzubewegen. Aber was ist, wenn sie auf der glatten Fahrbahn unter die Räder eines Autos kämen?

In solche Gedanken war ich versunken, als ich vor kurzem die Mensa verlassen hatte und auf der Katharinastraße ein abgestelltes Fahrrad sah. „Noch einer, der sich mit einem Fahrrad auf die Straße traut“, dachte ich und stellte fest, dass es sich um ein Werbungsfahrrad handelte. Ein Schild, das am Gestell befestigt war, machte Reklame für ein Online-Kopiergeschäft. Laut Aufschrift können die Studenten im Internet auf der angegebenen Webseite ganz günstig all ihre Dokumente drucken und binden lassen.

„Was machen nun die Kopierläden, die rund um die Universitäten angesiedelt sind“, fragte ich mich, „warum sollte ich auf das Lächeln einer Dame in einem und die freundliche Begrüßung eines Herrn in einem anderen Kopierladen verzichten und anonym meine Datei mailen und das gedruckte Dokument per Post zurück bekommen?“ Ich überquerte die Straße und ging zur Vorlesung. Auf dem Rückweg sah ich, dass das Fahrrad umgetreten und das Schild völlig zertrümmert war. „Ein Kopierladen hat sich gewehrt“, dachte ich und fragte mich, wie lange noch? Welche Chance hat er? Ich hätte mir an seiner Stelle eine andere Strategie überlegt. Vielleicht ein neues Geschäftsmodell um die Studenten vom Internet fern zu halten und zurück ins Realleben zu führen.

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