Josef Thomas und Frank Fauth vor dem A320 des DLR.
Josef Thomas und Frank Fauth vor dem A320 des DLR.
Josef Thomas im Gespräch

„Da Vinci würde sich am Forschungsflughafen ansiedeln“

Von Stefan Boysen // 24. Februar 2009

Kooperieren, vereinen, zusammenführen – Josef Thomas ist Netzwerker mit Leib und Seele, wie Frank Fauth, Gründer der Projektinitiative IT-Region 38, feststellen durfte. Er traf sich mit dem Geschäftsführer des Forschungsflughafens Braunschweig beim Italiener Da Ilo zum Mittagsbüffet. Und unterhielt sich bei Pasta und Penne über erfolgreiche Ansiedlungspolitik, Pioniere der Luftfahrt und ein Alleinstellungsmerkmal der TU Braunschweig.

Auf den Punkt gebracht: Was ist die Aufgabe des Forschungsflughafens?

Allen Menschen zu vermitteln, wie wichtig es ist, sich mit unserem Forschungsflughafen zu beschäftigen. Wir sind der Kristallisationspunkt von Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Behörden und Bundesämtern, die gemeinsam systemübergreifende Lösungen entwickeln. Ich bin mir sicher: Wenn da Vinci heutzutage auf der Suche nach einem Ort wäre, wo er sich ansiedeln könnte – er würde zum Forschungsflughafen kommen.“

Wie hätte der Forschungsflughafen da Vinci helfen können?

Da Vinci hat in der Theorie Dinge erfunden, die zu seiner Zeit praktisch gar nicht umsetzbar waren. Es sei denn, die verschiedenen Disziplinen hätten geordnet zusammengewirkt – so wie es bei uns am Forschungsflughafen der Fall ist. Wenn man zusammenarbeitet, kann man vieles erreichen.

Haben Sie ein Beispiel für gute Netzwerkarbeit?

Im Rahmen des europäischen Satellitensystems Galileo arbeiten Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen zusammen. Bayern überwacht die Satelliten-Navigationssignale, Mecklenburg-Vorpommern bringt die maritime Kompetenz ein – und wir stellen die Experten für die Luftfahrt. Auch die Kometensonde Rosetta, die herausfinden soll, wie unsere Welt vor dem Urknall aussah, ist mit Braunschweiger Beteiligung ins All geflogen. Im Netzwerk können wir Ideen zum Fliegen und zum Fahren bringen.

Wie viele Menschen sind bei den Unternehmen am Flughafen damit beschäftigt, innovationsfreudige Ideen umzusetzen?

Es gibt 1900 Beschäftigungsverhältnisse – Tendenz steigend. Die Marke Forschungsflughafen hat es in sich: Einer Studie von Professor Lothar Hübl zufolge schafft jeder Mitarbeiter an unserem Standort deutschlandweit 1,7 weitere Arbeitsplätze. Das zeigt unseren Wert.

Welchen Wert hat der Forschungsflughafen für die Studenten in unserer Region?

Einen großen. Die Technische Universität Braunschweig ist die einzige Hochschule in Deutschland, die Studenten ein eigenes Forschungsflugzeug bieten kann. Die Dornier 128-6 ist ein fliegender Hörsaal, in dem Studierende die Grundlagen von Flugmesstechnik und Flugeigenschaften lernen. Auch der Airbus A320 des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, für den gerade ein neuer Hangar gebaut wird, gehört zu den Forschungsflugzeugen an unserem Standort – er ist der größte zivile Flugversuchsträger Europas. Der Vorteil, so nah an der Praxis sein zu können, wird gewaltige Früchte tragen.

Schauen Sie doch bitte einmal zehn Jahre in die Zukunft. Was soll der Forschungsflughafen bis dahin erreicht haben?

Wir wollen einen wichtigen Beitrag zur Definition eines menschenwürdigen und sicheren Verkehrssystems leisten. Die Grundlagen, dass die Luftfahrt mit dem europäischen Satellitensystem Galileo künftig überall auf der Welt denselben Qualitätsstandard in der Navigation aufweist, sei es in Deutschland, Australien oder im Kongo, werden in Braunschweig geschaffen.

Welches Ziel verfolgen Sie außerdem?

Neben dem Fortschritt in der internationalen Verkehrssicherheit wollen wir mehr Unternehmen dazu bewegen, in den Forschungsflughafen Braunschweig zu investieren und hier zu produzieren. Zum einen kleinere Unternehmen, die aus der Kreativecke kommen; aber auch Großunternehmen wie Airbus, das bereits in einem gemeinsamen Projekt mit dem Land Niedersachsen und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zusammenarbeitet. Wichtig ist mir auch: Zurzeit haben wir an der TU im Hauptstudium Luft- und Raumfahrt 940 Studierende – solche klugen Köpfe möchten wir weiterhin in die Region locken. Um dann, wenn sie fertig studiert haben, innerhalb unseres weltweiten Netzwerks mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Eine offene Frage zum Schluss: Was möchten Sie allen aus unserer Region mit auf den Weg geben?

Reißt Mauern ein, sprecht miteinander und schaut, mit wem ihr zusammenarbeiten könnt. Der Innovations- und Patentverbund Braunschweig mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt und der TU Braunschweig ist ein starkes Beispiel für interdisziplinäre wertschöpfende Zusammenarbeit.

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