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Volker Donnermann und Frank Fauth im Gespräch

„Ohne IT lässt sich kein Fahrzeug entwickeln“

Volker Donnermann verantwortet in der Volkswagen AG seit 2006 als Process Integration Officer (PIO) konzernweit die IT-Projekte für „Steuernde und Unterstützende Prozesse“ (unter anderem für Personal, Finanz, Compliance und Risikomanagement). Seit kurzem ist Donnermann auch für die fachliche und finanzielle IT-Steuerung der Marke Volkswagen PKW zuständig. Frank Fauth sprach mit dem Diplom-Maschinenbauer, der 1981 in den Volkswagen Konzern eintrat, über die Aufgaben der Informationstechnologie bei Europas führendem Automobilunternehmen, dessen globales IT-Netz sowie über seine Erwartungen an die IT-Branche in der Region Braunschweig-Wolfsburg.



Welche Bedeutung hat die Informationstechnologie für Volkswagen?

Die zentrale Aufgabe der IT ist es, Volkswagen auf dem Weg zum ökonomisch und ökologisch weltweit führenden Automobilkonzern zu unterstützen. Sie ist wichtiger Bestandteil der Wertschöpfungskette aller neun Konzernmarken. Ohne IT lässt sich heute kein Fahrzeug wirtschaftlich entwickeln, keine Produktion organisieren, kein Handel betreiben, kein Kunde systematisch bedienen.

Wie kann Ihnen die IT helfen, Wettbewerbsvorteile zu erzielen? Wo liegen die IT-Schwerpunkte bei Volkswagen?

Wettbewerbsvorteile schafft die IT insbesondere durch das schnelle Entwickeln kundenindividueller Lösungen. Zum einen ist es das Produkt selbst. So setzen wir beispielsweise Simulationssoftware ein, um bereits im Entwicklungsstadium Montage- und Reparaturfreundlichkeit sowie gewünschte Eigenschaften eines Fahrzeugs abzusichern. Zum anderen gilt dies auch für den Kundenservice. Die Geschäftsabläufe in der Entwicklung, in der Produktion und im Vertrieb sind heute in höchstem Maße dynamisch und miteinander vernetzt. Die Sequenz von der ersten Designstudie über die Entwicklung eines Fahrzeugs bis hin zur Fertigung ist eine durchgängige Prozesskette. Das zu organisieren ist eine wesentliche Aufgabe der IT.

Wo sieht Volkswagen Potenziale im IT-Bereich?

Es ist unser Ziel, die IT-Infrastruktur von Standorten und Marken auf einen konzernweit einheitlichen Standard zu heben. Standardisierung ist unser Hebel zur Bewältigung von Komplexität und Kosten. Ein Beispiel: Wir haben kürzlich ein Projekt realisiert, mit dem wir bei Volkswagen Einzelgeräte wie Drucker, Scanner und Faxgeräte abgeschafft und durch moderne Multifunktionsgeräte ersetzt haben – in Wolfsburg und Ingolstadt genauso wie in Puebla in Mexiko. Damit verbessern wir die IT-Ausstattung bei geringeren Kosten und leisten zugleich einen positiven Beitrag zur CO2-Bilanz unseres Unternehmens. Wir verbrauchen mit den neuen Geräten 80 Prozent weniger Energie als vorher. In den globalen Dimensionen unseres Unternehmens ist das ein relevanter Beitrag zum Umweltschutz.

Wie viele IT-Kräfte beschäftigt Volkswagen?

Für die IT sind im Konzern weltweit rund 3.400 Menschen im Einsatz – davon arbeiten 1.300 in Wolfsburg, die in Summe über 2.200 Anwendungen betreuen und mehrere internationale Rechenzentren betreiben.

Wie groß ist das Netz, dass die IT für Volkswagen zusammenhält?

Entlang unserer Wertschöpfungskette sind etwa 26.000 Zulieferer und 18.000 Handelspartner mit insgesamt rund 400.000 Anwendern online angebunden.

Welchen Beitrag leisten die regionalen Unternehmen für Sie?

Wir sind intensiv mit der IT-Region 38 vernetzt. Das gilt insbesondere für die mittelständischen IT-Unternehmen, deren hohe Kompetenz, Flexibilität und Kundenorientierung wir sehr schätzen. Auch mit den in der Region ansässigen Global Playern arbeiten wir eng zusammenarbeiten. Darüber hinaus auch mit der TU Braunschweig, mit der wir verschiedene Kooperationen entwickeln.

Was muss ein IT-Unternehmen aus der Region mitbringen, um als Partner von Volkswagen akzeptiert zu werden?

Da ist zunächst einmal ein hoher Grad an ‚Industrialisierung’ zu nennen. Im Bereich der IT bedeutet das unter anderem professionelles Projektmanagement sowie weltweite Lieferfähigkeit, die in einem globalen Konzern unabdingbar ist. Wichtig ist auch, dass die Partner einen Beitrag zur Standardisierung unserer Infrastruktur leisten können und damit die Bereitschaft zeigen, sich mit unseren technischen Standardarchitekturen auseinanderzusetzen. Auch auf die Aus- und Weiterbildung legt Volkswagen sehr viel wert. Wir bilden unsere eigenen Mitarbeiter nach international anerkannten Projektstandards weiter – zum Beispiel im Service-Management ITIL, im Reifegrad Management für IT-Projekte und IT-Produkte CMMI – und dies erwarten wir auch von unseren Partnern.

Ein offenes Wort zum Schluss?

Innovationen lassen sich heutzutage in erster Linie durch Vernetzung beschleunigen, denn die Flexibilisierung und Dezentralisierung von Entwicklungsprozessen nimmt in unserer globalisierten Welt stetig zu. Lassen Sie mich Don Tapscott heranziehen, der in einem seiner Bücher ein Prinzip erläutert, das er ‚Wikinomics’ nennt. Es handelt sich um eine neue Form des Wirtschaftens, die auf drei Treibern beruht: dem Internet als globale Kommunikationsform; der neuen Netz-Generation, welche nicht nur konsumiert, sondern über Beiträge auch aktiv produziert; und letztlich der globalisierten Wirtschaft. Das klingt zunächst sehr abstrakt, ist im Kern aber sehr einfach. Menschen arbeiten nach diesem Prinzip gemeinsam an Projekten über die globale Infrastruktur des Internet. Voraussetzung ist die Bereitschaft, sich selbst zu öffnen und gemeinsam mit anderen Firmen und Kunden Innovationen zu entwickeln. Die Projektinitiative IT-Region 38 bildet einen hervorragenden Ansatz, diese Vernetzung in unserer Region herzustellen.

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