Wolfgang Seyen
Wolfgang Seyen

„Das Feedback zur Sprachqualität ist sehr positiv"

Den Gralshütern der deutschen Sprache wird der Schreck in die Glieder gefahren sein, als sie diese Wortkreation vernehmen mussten: Voipen. Doch Telefonieren über IP-Technologie verdient nicht nur ein eigenes Wort, sondern auch mehr Beachtung. 3,7 Millionen Haushalte haben im vergangenen Jahr über das Internet-Protokoll telefoniert – mehr als doppelt so viele als im Jahr 2007. Auch Unternehmen gehen diesen Weg. „Wir haben schon auf IP-Telefonie gesetzt, als die Technik noch in den Kinderschuhen steckte", sagt Wolfgang Seyen von der Wolfsburg AG.

In Deutschland sank 2008 die Summe der Gesprächsminuten aus dem Festnetz von 168 Milliarden auf 164 Milliarden, so der Branchenverband Bitkom, der für dieses Jahr einen Rückgang um weitere drei bis vier Prozent erwartet. Neben dem Handy führt auch das Telefonieren auf Basis des Internetprotokolls – auch Voice-over-IP genannt – dazu, dass das Festnetz an Bedeutung einbüßt. Von den 3,7 Millionen Haushalten, die im vergangenen Jahr über das Internetprotokoll telefonierten, nutzten laut Bitkom 1,5 Millionen Kabel-TV-Anschlüsse und 2,2 Millionen das sogenannte entbündelte DSL, das vertraglich nicht an einen herkömmlichen Festnetzanschluss gebunden ist.

Wolfgang Seyen und sein Team haben der IP-Telefonie auf dem Wolfsburger InnovationsCampus den Weg bereitet. „Wir sind einst mit rund 300 Nutzern gestartet und sind nun kurz davor, die Tausend zu erreichen", beschreibt er die Entwicklung. Als die Wolfsburg AG sich kurz nach der Jahrtausendwende der IP-Telefonie annahm, war das Telefonieren über das Internet allenfalls ein Randthema. Wie so häufig bei neuen technischen Systemen zeigten sich einige Kinderkrankheiten, hier und da knisterte und rauschte es.

Die Probleme sind heute längst behoben, weswegen sich Wolfgang Seyen darin bestätigt sieht, IP-Telefonie auf dem InnovationsCampus etabliert zu haben. „Das Feedback zur Sprachqualität ist sehr positiv, auch wenn hier noch viel ungehobenes Potential in der Technik besteht", betont er. Darüber hinaus seien der administrative Aufwand und die Infrastrukturkosten im Vergleich zu klassischen Telefonanlagen geringer.

Nicht jeder fühlt sich für das Telefonieren über IP-Technologie bereit, viele Unternehmen bleiben skeptisch und scheuen die Umstiegskosten und die Personalschulungen. Auch Fragen der Sicherheit werden diskutiert. Jedes Unternehmen müsse entsprechend seiner Voraussetzungen eine eigene Strategie entwickeln, rät Wolfgang Seyen: „Einem Unternehmen, das beispielsweise einen Neubau bezieht, würde ich sofort empfehlen, über die Anschaffung eine VoIP-Anlage nachzudenken. Bei uns hat es sich gelohnt."

Auf dem InnovationsCampus steht bereits das Testprojekt für die nächste Entwicklungsstufe in den Startlöchern: Es gilt die IP-Telefonie mit der Internet-Telefonie, bei der die Gespräche über das öffentliche Internet verschickt und nicht vom Telefonanbieter in seinem Netz weitergeleitet werden, zu verschmelzen. „Dann können wir nicht nur mit unserem Gesprächspartner sprechen, sondern beispielsweise gleichzeitig Daten an ihn übertragen und diese parallel gemeinsam bearbeiten."

Auch die Bild-Telefonie sei dann nicht mehr weit weg, sagt Wolfgang Seyen. „Ich bin mir sicher: Wir werden von Telefonie schon bald nicht mehr als einer Applikation sprechen, denn die Telefonie wird zu einem Datendienst wie jeder andere auch. Alles wird sich ineinander integrieren."

Ähnliche Artikel

Durchschnitt (0 Stimmen)