Von Romana Ringel
Romana Ringel: Sie haben eine neue Applikation für Mobiltelefone entwickelt – Punch2Go ist eine Software zur mobilen Zeiterfassung. Was heißt Punch2Go und was kann es?
Bernd Wiegmann: Punch kommt vom englischen Wort „punchclock“, das ist eine Art Stechuhr und „2Go“ bedeutet eben zum mitnehmen – also eine Stechuhr zum mitnehmen.
Punch2Go ist für Leute die auf Stundenbasis an verschiedenen Orten arbeiten wie z.B. Consultants von IBM die gerade bei VW sind. Die müssen ihre Arbeitszeiten erfassen, damit die am Ende des Monats auch in Rechnung gestellt werden können. Und genau dabei hilft Punch2Go: der Mitarbeiter musste sich bisher die Arbeitsstunden immer auf einem Zettel notieren. Nun kann er das ganz einfach mit dem Telefon machen, welches er sowieso immer bei sich hat. Die Arbeitszeiten können mit dem Mobiltelefon erfasst, am Ende des Monats auf den PC geladen, ausgewertet und schließlich online an die Buchhaltung geschickt werden. Damit ist er das Thema los!
Romana Ringel: Punch2Go ist also besonders sinnvoll für Leute die beruflich viel unterwegs sind. Kann es denn noch mehr?
Bernd Wiegmann: Es kann auch verschiedene Projekte und Aufgaben verwalten. Je nachdem welche Details man bei seiner Zeiterfassung braucht, kann man das entsprechend konfigurieren. Es gibt ein Textfeld in dem man eintragen kann, was wann gemacht wurde um das ggf. genau nachweisen zu können.
Romana Ringel: Funktioniert das Programm auf jedem Mobiltelefon oder bedarf es bestimmter Grundeigenschaften?
Bernd Wiegmann: Das Programm ist für Smartphones mit dem sogenannten „Symbian“-Betriebssystem. Das betrifft vor allem alle Smartphone-Geräte von Nokia, also jene die schon als PDA (Personal Digital Assistent) genutzt werden können. Zu nennen sind da die Telefone aus der N- und der E-Serie. Es gibt aber auch Telefone von Samsung und Sony Ericsson, von Siemens gab es auch mal eins und LG hat jetzt wohl auch eins auf den Markt gebracht. Aber grundsätzlich wird diese Umgebung von Nokia bedient und dann an Samsung oder LG ablizenziert. Sony Ericsson hat dann wieder eine eigene Variante, aber das grundlegende Betriebssystem ist das gleiche.
Romana Ringel: Ist das Programm nur für das Mobiltelefon entwickelt worden oder ist es theoretisch auch möglich Punch2Go auf anderen Endgeräten zu installieren?
Bernd Wiegmann: Theoretisch möglich schon. Momentan ist es allerdings so, dass es nur auf Handys läuft. Eine Erweiterung ist gerade in der Entwicklung, es soll zum Programm eine Serverkomponente geben. Das heißt, man hat dann noch eine Seite im Web, womit man die Daten vom Handy synchronisieren kann. Dann braucht man das nicht auf dem kleinen Handy-Display auswerten, sondern überträgt die Daten einfach auf den Server, meldet sich auf dieser Seite an und kann dort die Stunden bequem am heimischen PC auswerten. Es kann auch eine Schnittstelle geschaffen werden, damit die Daten in die bestehende Zeiterfassung einer Firma importiert werden können. Wenn ich bspw. für IBM arbeite kann ich das direkt von dem Server an IBM schicken, das heißt es braucht keiner etwas ausdrucken und wieder eingeben, sondern die Information kann direkt integriert werden. Und ich kann auch umgekehrt Informationen auf mein Handy schicken z.B. an welchen Projekten ich momentan arbeite, damit ich auch nur jene zur Auswahl habe auf die ich die Stunden buchen soll, mit der aktuellen Nummer und was die Firma gerne von mir hätte. All das erfordert sonst sehr viel Kommunikation über das Telefon und ist nun wesentlich einfacher zu handhaben – es spart Zeit, Papier und Energie.
Romana Ringel: Man kann das Programm auf der Homepage www.punch2go.de herunterladen. Wie viele Lizenzen wurden bisher verkauft und wohin?
Bernd Wiegmann: Punch2Go wird auch auf verschiedenen Internetportalen angeboten, die Software für Handys verkaufen, nicht nur in Deutschland sondern u.a. auch in Amerika und England. Bisher wurden mehrere hundert Lizenzen weltweit verkauft, von Norwegen über Südafrika bis Neuseeland.

Romana Ringel: Wie sind Sie eigentlich zu dieser Idee gekommen – Auftrag oder Zufall?
Bernd Wiegmann: Ich war früher viel als Consultant für VW unterwegs, habe also über andere Firmen bei VW gearbeitet und musste meine Zeit erfassen und stundenweise abrechnen. Die Stundenzettel auszufüllen und richtig abzurechnen war am Ende des Monats immer das größte Ärgernis. So bin ich auf die Idee gekommen, dass man das mit einem Telefon viel einfacher machen könnte, weil man das eh immer bei sich hat.
Romana Ringel: Wie lange hat es gedauert bis das Programm nutzungsfertig war? Was war die größte Herausforderung bei der Programmierung?
Bernd Wiegmann: Wenn man auf den Kalender schaut, hat es ungefähr 3 Jahre gedauert. Die reine Entwicklungszeit war natürlich deutlich kürzer, aber auch das hat schon einige Monate gekostet. Man muss erst einmal ein Gerüst erstellen, ausprobieren, dann feststellen, dass es so nicht funktioniert und wieder ändern. Die Bedienung auf einem Telefon ist schon etwas anders als auf einem PC. Man muss darauf achten, dass für einfache Anwendungen nicht wahnsinnig viele Tasten gedrückt werden müssen, es soll die Sache ja möglichst vereinfachen. Und gerade bei dem Layout muss man sich viele Gedanken machen. Es gibt bei Telefonen verschiedene Bildschirmauflösungen und -größen oder wie z.B. bei dem Nokia E 90 auch Displays im Querformat und Punch2Go soll ja auf allen Geräten gut aussehen bzw. müssen alle Daten sichtbar und das Programm bedienbar sein. Das erfordert schon eine Menge Arbeit. Eine weitere Herausforderung war, dass man auf einem solch kleinen Bildschirm nur sehr wenige Informationen darstellen kann. Deswegen musste man sich ziemlich einschränken, was man da wirklich zeigt.
Romana Ringel: Wie soll es mit dem Produkt weitergehen? Welche Produktaussichten gibt es?
Bernd Wiegmann: Also momentan ist es ja als eigenständige Applikation gedacht, dass heißt Freiberufler, Selbstständige können sich das Programm auf ihrem Handy installieren. Und durch die neue Serverkomponente wird Punch2Go auch für Firmen interessant, die verschiedene Consultant bei anderen Firmen haben um die Zeiterfassung ein wenig zu vereinfachen.
Weiterhin sollen in Zukunft auch Anrufprotokolle in Punch2Go integriert werden können. Man sieht dann also wer wann angerufen hat und kann ggf. Gespräche, z.B. die mit dem Chef, gleich als Arbeitszeit eintragen.
Romana Ringel: Wird Punch2Go in Zukunft auch serienmäßig auf Telefonen zur Verfügung stehen?
Bernd Wiegmann: Nein, das wäre nicht sehr sinnvoll. Aber es gibt bei Nokia sogenannte Download-Kataloge. Wenn man Zusatzapplikationen für das Handy haben möchte, kann man in einem Online-Shop nach geeigneter Software stöbern und dort ist natürlich auch Punch2Go zu erwerben, für nur 25 €.
Romana Ringel: Punch2Go ist ja nun nicht das einzige Produkt Ihrer Firma, Sie haben auch ein Programm für Geocaching entwickelt. Was ist Geocaching und was hat es mit dem Programm auf sich?
Bernd Wiegmann: Geocaching ist eine Art Schnitzeljagd, die vom Internetportal geocaching.com organisiert wird. Auf der Seite kann man sich dann anschauen wo die kleinen Schätze versteckt sind und sich dann mit Hilfe der Koordinaten und eines GPS-Geräts auf die Suche danach machen – einige Hundert sind auch in Braunschweig und Umgebung „vergraben“.
Ich habe dafür ein Programm gemacht, welches es ermöglicht auch mit dem Handy geocaching zu betreiben. Normalerweise müsste man am PC schauen, ob in der Nähe etwas zu finden ist bzw. eben dort wo man hin möchte, dann die interessantesten Sachen heraussuchen, ausdrucken und immer bei sich führen. Mit meinem Programm kann man sich die Daten auf das Telefon übertragen. Durch das eingebaute GPS ermittelt das Telefon die eigene Position und listet alle Caches auf, die sich in der Nähe befinden. Zu denen kann man sich dann auch hinnavigieren lassen und der Rest liegt bei einem selbst.
Die Software kann aber z.B. auch für Speditionsunternehmen interessant sein. Damit könnten die LKWs lokalisiert und so auch Fahrzeiten organisiert werden.
Romana Ringel: Sie haben damit am Wettbewerb Mobile Rules! teilgenommen. Worum geht es bei dem Wettbewerb?
Bernd Wiegmann: Das ist ein Wettbewerb für innovative Programme und Technologien, veranstaltet von Nokia. Daran kann jeder teilnehmen, der etwas neues entwickelt hat. Wenn man also meint, etwas spannendes entwickelt zu haben, kann man sich damit bei Mobile Rules! bewerben und eine Kommission bewertet dann das Produkt nach mir unbekannten Kriterien. (lacht)
Es gibt bei dem Wettbewerb verschiedene Kategorien, ich habe mit meiner Software im Bereich Connected Games teilgenommen, also Spiele auf dem Handy die mit dem Internet verbunden sind. Dann gab es noch eine Kategorie „Neue Technologien“ und „Business Plan“. In jeder Kategorie gab es 10 Finalisten und ich war einer davon, leider haben andere gewonnen.
Übrigens gab es vor ca. 3 Jahren einen Nokia-Wettbewerb für Handy-Applikationen für die neue Handy-Generation und da war das Punch2Go unter den ersten fünf.
Romana Ringel: Vielen Dank Herr Wiegmann, dass Sie für das Internet-Portal "IT-Region38.de" zum Interview zur Verfügung gestanden haben.
Foto: Romana Ringel
Weitere Infos: Bernd Wiegmann, Geschäftsführer WiB Software GmbH, http://www.wib-software.de