Mit der Greencard nach Braunschweig

„Dann kam plötzlich eine Anfrage aus Deutschland…"

Stefan Boysen sprach mit Sebastian Lasek 33.000 ausländische IT-Spezialisten sind seit Einführung der Greencard vor zehn Jahren nach Deutschland gekommen. Einer von ihnen ist Sebastian Lasek, Systemarchitekt bei der T-Systems International GmbH. Im Gespräch mit IT-Region 38 blickt der 33-Jährige auf den Tag seiner Ankunft zurück – und erzählt, wie es ihm damals ergangen ist.

Herr Lasek, wann sind Sie mit Ihrer Greencard nach Braunschweig gekommen?

Das war im August 2001, kurz nachdem ich mein Magisterstudium in Stettin abgeschlossen hatte. Ich gehörte zu denen, die ein Jahr nach Ausgabe der ersten Greencard mit der zweiten Welle nach Deutschland gegangen sind.

Mit der Greencard richtete sich die Bundesregierung an hoch qualifizierte ausländische Fachkräfte. Welche Verbindung hatten Sie in Polen zur IT?

Ich habe Wirtschaftsinformatik studiert und war schon während meines Studiums selbstständig. Gemeinsam mit einem Kollegen hatte ich eine eigene Firma mit mehreren Mitarbeitern, die auch für deutsche Unternehmen Projekte betreute. Dann kam plötzlich eine Anfrage aus Deutschland – ob ich mir vorstellen könne, in Festanstellung für eine deutsche Firma zu arbeiten.

Ein Angebot, das Sie sofort annahmen?

Ich habe lange überlegt. Dann sagte ich zu – mit dem Plan, zwei Jahre in Deutschland zu bleiben und mit guten Kontakten nach Polen zurückzukehren…

…woraus nichts geworden ist…

…(lacht) stimmt, gerade baue ich in Braunschweig mit meiner Frau ein Haus. Dass ich noch einmal nach Polen zurückkehre, um dort zu arbeiten, ist mittlerweile eher unwahrscheinlich.

Gibt es große Unterschiede hinsichtlich IT zwischen Polen und Deutschland?

In Bezug auf die Mitarbeiter nicht. Als ich noch in Polen gearbeitet habe, gab es jede Menge Spezialisten, die sehr vielseitig waren. Wenn man allerdings die IT-Landschaften in den Unternehmen betrachtet, dann sind das zwei verschiedene Welten. Auch spielt strategisches IT-Management nicht eine so große Rolle wie in Deutschland. Ich muss allerdings zugeben, dass ich den Kontakt nach Polen ein wenig verloren habe. Ich bin neun Jahre weg – das ist in der IT eine lange Zeit.

Woran erinnern Sie sich, wenn Sie an Ihre Ankunft in Braunschweig zurückdenken?

Ich kannte von meinen Auslandssemestern Dortmund, Bochum und Düsseldorf ganz gut. Dort war ich es gewohnt, am Bahnhof die Innenstadt vor Augen zu haben. Als ich für mein Vorstellungsgespräch zum ersten Mal in Braunschweig war und auf dem Braunschweiger Bahnhofsplatz stand, da fragte ich mich: Wo ist denn hier die Stadt...?

Das Vorstellungsgespräch war gut?

Sehr gut. Ich war gerade wieder nach Polen zurückgekehrt, da lag schon der Arbeitsvertrag in meinem Briefkasten – mit der Aufforderung, schnell nach Braunschweig zurückzukommen, weil schon die ersten Projekte in den Startlöchern standen.

Liefen die Projekte gleich rund?

Nein, überhaupt nicht. Als Selbstständiger war ich es gewohnt, alleine Entscheidungen zu treffen. Nun musste ich lernen, die Hierarchieebenen zu beachten. Es dauerte ein bisschen, bis ich mich umgestellt hatte.

Wie war der Empfang durch die neuen Kollegen?

Man wurde schon ein bisschen kritischer beäugt. Wer mit der Greencard nach Deutschland kam, musste so verfahren: Zeig erstens, dass du gut bist – und zweitens, dass du noch besser bist. Das war eine Herausforderung. Wenn ich nicht aus Polen gekommen wäre, hätte ich es beruflich nicht so weit geschafft.

Gab es Kollegen, die wie Sie eine Greencard hatten?

Ein Jahr nach mir ist jemand aus Russland gekommen. Zwei Jahre später zog er weiter in die Schweiz.

Wie lautet Ihr persönliches Fazit nach zehn Jahren Greencard?

Ich finde, dass Deutschland sehr davon profitiert hat. Durch die Vielfalt der Fachkräfte und ihre verschiedenen Blickwinkel auf die Projekte haben die Unternehmen viel gewonnen.

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