Die Internetnutzer stehen bereit: Jeder fünfte von ihnen möchte über das Netz an der Entwicklung von Produkten beteiligt werden, so eine aktuelle Umfrage des Branchenverbands Bitkom.
In der Pflicht
Unternehmen dürfen sich dieses Angebot nicht entgehen lassen, meint Susanne Robra-Bissantz. „Sie haben die Pflicht, mit ihren Kunden in den Dialog zu treten. Sie sollten mit ihnen kommunizieren, ihnen zuhören, diskutieren und eben auch kooperieren."
Die Professorin nennt diese Bereitschaft Open Innovation. Wikipedia definiert das ein wenig kryptisch als Öffnung des Innovationsprozesses und die aktive strategische Nutzung der Außenwelt zur Vergrößerung des eigenen Innovationspotentials.
Ideen für guten Kaffee
Salopper ausgedrückt: Kunden haben gute Ideen, insbesondere wenn es um ihre eigenen Bedürfnisse geht. Warum sich dieses Potenzial nicht zunutze machen?
Das Internet hat das Verhältnis zwischen Unternehmen und Kunden grundlegend geändert. Wie weit die Zuhilfenahme gehen kann, zeigt das Beispiel Starbucks. Das Unternehmen hat im Netz eine eigene Seite mit Namen My Starbucks Idea eingerichtet, der Kunden ihre Ideen für neue Angebote rund um den Kaffee und seinen Genuss anvertrauen können.
Auch Volkswagen leistet sich einen Ideenwettbewerb. Und die Open-Innovation-Community InnoCentive ist nach eigenen Angaben Anlaufstelle für Zehntausende Forscher, Ingenieure und Produktdesigner, die bereits eine Vielzahl von Problemen geknackt haben – und dafür mitunter von den Unternehmen viel Geld kassieren.
Belohnung als Motivation
InnoCentive setzt sich zusammen aus Innovation und Incentive, also Erfindung und Anreiz. Ist Geld der höchste Anreiz? Reicht das Dankeschön des Geschäftsführers? Oder die Möglichkeit, den eigenen Namen in Verbindung mit einem erfolgreichen Produkt setzen zu dürfen?
Das TU-Institut für Wirtschaftsinformatik forscht zurzeit, was Unternehmen Kunden in Aussicht stellen können, um sie auf lange Sicht von Konsumenten zu Co-Produzenten zu machen. „Es geht darum, die Motivation nachhaltig aufrechtzuerhalten", sagt Susanne Robra-Bissantz.
Workshop zum Start
Unternehmen haben ganz unterschiedliche Möglichkeiten, wie sie Kunden bei sich einbinden können. Susanne Robra-Bissantz` Rat an Unternehmer, die mit diesem Gedanken spielen: Anstatt mit hohem Tempo zu beginnen und eine Reihe von Mitmach-Tools auf die unternehmenseigene Webseite zu stellen, seien kleine und gezielte Schritte die bessere Taktik – um erst einmal Erfahrungen beim Open-Innovation-Prozess zu sammeln. „Auch ein gemeinsamer Workshop ist ein guter Start."
Wie eng sich das Verhältnis ihrer Meinung nach zwischen Unternehmen und Kunden entwickeln wird? Sehr eng, meint Susanne Robra-Bissantz – aber trotz offener Grenzen wird keine ungebremste Innovationsflut über die Wirtschaft schwappen. „Ich glaube nicht", sagt die Professorin lachend, „dass in zehn Jahren jeder von uns 20 Produkte vor sich hin innovieren wird." (boy)