Erweitertes Modell der Internet-Gemeinde zeigt:

Die Mehrheit der Deutschen ist nicht Teil der Digitalen Gesellschaft

Von Philipp Nolden. Eine präzisere Typologie der deutschen Internet-Nutzer verspricht die Möglichkeit einer genaueren Untersuchung der „Digitalen Gesellschaft". In einer Studie der Initiative D21 e. V. zeigte sie, daß 65% der Deutschen die Möglichkeiten digitaler Medien nur bedingt oder garnicht nutzen. D21 fordert gezielte staatliche Förderung. Eine zielgruppenspezifische Beobachtung der gesellschaftlichen Entwicklung soll gezielte und damit effektive Maßnahmen ermöglichen.

Im Rahmen der Studie „Digitale Gesellschaft in Deutschland - Sechs Nutzertypen im Vergleich" wurden 1014 Personen innerhalb Deutschlands nach ihrem Nutzungsverhalten bezüglich digitaler Medien befragt. Nach dem herkömmlichen Modell würde dabei lediglich anhand der zur Verfügung stehenden Ausrüstung zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern unterschieden werden. Die neue Einteilung in die folgenden sechs Gruppen erweitert dieses um die Kriterien Kompetenz, Wissen, Nutzungsvielfalt, Nutzungsintensität und persönlicher Einstellung gegenüber digitalen Medien.

1. Digitale Avantgarde (3%): Durchschnittsalter 30,5 Jahre, vorwiegend Singles mit eher geringem Einkommen aber guter technischer Ausstattung. Intensive Internet-Nutzung sowohl in Freizeit als auch Beruf, dabei hoher Anteil mobiler Medien.

2. Digitale Profis (12%): Durchschnittsalter 36,1 Jahre, vorwiegend berufstätige Männer, sowohl zuhause als auch am Arbeitsplatz gut ausgestattet, sehr hohe technische Kompetenz, eher an nützlichen Anwendungen als an Zerstreuung oder Selbstdarstellung im Internet interessiert.

3. Trendnutzer (11%): Durchschnittsalter 35,9 Jahre, höchster Männer- und höchster Schüleranteil (78% bzw. 13%), große Bandbreite an digitalen Geräten, ausgeprägte Vorliebe für Web2.0-Anwendungen, hohe Kompetenz.

4. Berufsnutzer (9%): Durchschnittsalter 42,2 Jahre, gute Ausstattung und intensive Nutzung am Arbeitsplatz, geringe Internet-Nutzung in er Freizeit, vorwiegend an klassischen und nutzbringenden Anwendungen wie eMail oder Textverarbeitung interessiert.

5. Gelegenheitsnutzer (30%): Durchschnittsalter 41,9 Jahre, die vorhandene Grundausstattung wird vorwiegend privat benutzt, beim Thema Sicherheit besteht großer Nachholbedarf, es werden klassische, nichtdigitale Medien bevorzugt.

6. Digitale Außenseiter (35%): Durchschnittsalter 62,4 Jahre, nur ein Viertel hat überhaupt eine Grundausstattung, negative Einstellung gegenüber digitalen Medien, niedrige Kompetenz (Grundbegriffe wie „Homepage" oder „eMail" sind weitgehend unbekannt), nur ein Fünftel ist in der Lage, sich im Internet zurechtzufinden.

Robert A. Wieland, Mitglied des D21-Gesamtvorstandes sagt dazu: „Mit dieser Studie steht erstmals ein Instrument zur Verfügung, mit dem in den nächsten Jahren die Entwicklung der digitalen Gesellschaft in Deutschland genau gemessen werden kann." Aus dem Ergebnis der aktuellen Untersuchung schließt D21, daß ein großer Teil der deutschen Bevölkerung aus dem Internet und damit aus vielen gesellschaftlich relevanten Entwicklungen ausgeschlossen ist. Eine ausreichende Vorbereitung auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sieht Wieland dadurch in Frage gestellt. In der Verantwortung sieht die Initiative den Staat und fordert maßgeschneiderte Fördermaßnahmen für die jeweiligen Gruppen.

D21 ist ein Netzwerk aus Unternehmen und Institutionen mit dem Ziel, die Digitale Gesellschaft durch gemeinnützige Projekte zu gestalten und Deutschland zukunftsfähig zu machen.
Quelle: openpr/Initiative D21

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