Wie entstand das Web 2.0?
Alles fing mit dem irischen Propagandisten für freie Software, Tim O'Reilly, an, der Anfang der Nullerjahre des neuen Jahrtausends dem Schlagwort des „Web 2.0" den Weg in die weite Welt ebnete. Damit sind Dienste, die über das Internet angeboten werden, gemeint, genauso wie mischbare Datenquellen – eben einfach ein Internet, bei dem sich potenziell Jeder beteiligen kann, sei es mit Inhalten oder auch ohne. Möglich machten das vor allem die weiterentwickelten Groupware-Technologien, mit denen Inhalte über das WWW ausgetauscht werden können.
Die Folge davon war die Veränderung der Kommunikation. Sie wurde für jedermann zugänglich, egal ob als aktiver Teilnehmer oder passiver Konsument. Für jedes Thema gab es nun öffentlich erkennbare Spezialisten. Als dann auch Unternehmen die Chancen des Web 2.0 erkannten und in ihre Kommunikation einbauten, schlug die Stunde des Enterprise 2.0. Der Austausch von Wissen ist damit nicht nur ein Kinderspiel, sondern kann auch zur Vertrauensbildung zwischen einem Unternehmen und seinen Zielgruppen eingesetzt werden.
Basierend auf diesen Technologien und der Theorie des „Small World Phenomen" von Stanley Milgram, dass Jeder Jeden über sechs Ecken kennt, agieren die Social Networks. Indem ein User seine persönlichen Daten in einem solchen Netzwerk publiziert, präsentiert er sich einerseits selbst und andererseits ermöglicht er es anderen, die jemanden mit seinen Hobbys, Berufserfahrungen oder anderen Schlagwörtern suchen, gefunden zu werden. Über diesen gemeinsamen Kontext entstehen Vernetzungen, die nicht mehr auf Vertrauen basieren, das wie bisher durch persönlichen Kontakt zustande kommt. Weil also irgendjemand an derselben Uni studiert hat oder ebenfalls gerne am Great Barrier Reef schnorchelt, vernetzt man sich online. Auf diese Verbindungen greift man dann zurück, sei es bei vakanten Positionen im Unternehmen oder wenn man einfach nur eine Frage zu einem speziellen Thema hat.
Wozu vernetzt man sich eigentlich online?
Wenn eine Person in einem Social Network partizipiert, ist die Wahrscheinlichkeit größer, die entsprechende Zielgruppe zu finden oder von ihr gefunden zu werden. Das heißt, sucht ein Unternehmen neue Mitarbeiter, tut es dies online. In einem Social Network wie XING oder LinkedIn stehen dann mitunter interessante Jobsuchende, nach deren Daten das Unternehmen entscheidet, ob jemand ins Team passt oder nicht. Daraufhin unternimmt oder unterlässt dieses weitere Schritte. Im privaten Bereich ist vielleicht jemand in eine neue Stadt gezogen und sucht nun via Facebook, Lokalisten und Co. Nach möglichen Bekanntschaften mit den gleichen Hobbys, um nicht mehr allein zu sein.
Und dass Soziale Netzwerke keine Randerscheinung sind, bezeugen die Mitgliederzahlen. Birger Hartung spricht von ungefähr 400 Millionen Facebook-Nutzern weltweit, wovon 8,5 Millionen aus Deutschland kommen. In Deutschland selbst versammeln die VZ-Netzwerke die meisten Privat-Netzwerker und zwar 16 Millionen. Im Business-Bereich führt international LinkedIn mit ca. 50 Millionen Usern und in Deutschland ist der Marktführer in diesem Bereich XING mit 9 Millionen Teilnehmern.
Und wie steht's um die Risiken?
Ganz oben auf der Mängelliste steht der Datenschutz bzw. die Datensicherheit. Denn alle Daten, die Nutzer online stellen, können immer irgendwie von anderen missbraucht werden. Selbst ausgeklügelte Sicherheitsvorkehrungen sind nicht gegen alle Angriffe gefeit. Zudem vergisst das Internet nichts. Jeder digitale Fehltritt, egal ob Foto oder andere Daten, können mit dem passenden Schlagwort wiedergefunden werden. Das öffnet dann beispielsweise Datenklau oder Mobbing Tür und Tor.
Die Pflege seiner Online-Profile ist jedem selbst überlassen, was allerdings auch den Nachteil hat, dass es gepflegt werden muss, möchte man nicht in der digitalen Bedeutungslosigkeit versinken. Das kostet natürlich eine Menge Zeit und oft auch Nerven, wenn man in verschiedenen Netzwerken unterwegs ist. Zusätzlich wird die Gier nach Neuem ständig geschürt, wodurch die Kommunikation immer schneller abläuft und die Inhaltsrelevanz mithalten kann. Dabei sein ist eben doch nicht alles.
Wie nutzt man Social Media am besten?
Soziale Netzwerke und andere Möglichkeiten des Web 2.0 lassen sich prima als Plattform zum Wissensaustausch und zur Wissensspeicherung einsetzen. Die Kontakte bei XING sind eine überall zugängliche Kontaktkartei, in Blogs oder Wikis wird Fachwissen dank Passwortschutz dedizierten Zielgruppen zugänglich und die Kommentarfunktion unterstützt den schnellen, spezifischen Austausch.
„Und sollen sich Unternehmen nun im Bereich Social Media engagieren oder nicht? Wie viel bringt das, wenn einerseits diese Technologien in Deutschland noch nicht so verbreitet sind, einem aber andererseits von allen Seiten dieses Thema herangetragen wird", fragt Peter Schorn, Expertmanager bei der Wolfsburger operational services GmbH & Co. KG. „Wichtig ist, dass das Unternehmen seine Zielgruppen kennt. Sind diese internetaffin und nutzen auch mobile Onlinegeräte, z. B. Smartphones, sollte ein Unternehmen darüber nachdenken, seine Präsenz im Bereich Social Media auf- und auszubauen", beantwortete Birger Hartung diese Frage, die wohl den meisten der Anwesenden auf den Lippen lag.
Psychologisch wichtig ist, dass diese Medien nicht kompliziert, sondern komplex sind. Sie bieten viele Möglichkeiten, die sich jeder Interessierte erst einmal erarbeiten müsse. Als Tipp gab Birger Hartung mit auf den Weg, den „Blumenstrauß" an Möglichkeiten doch erst einmal im Intranet zu testen, bevor alles öffentlich zugänglich wird. Klären Sie also zunächst für sich die Fragen: Wo will ich in? Was will ich erreichen? Wen will ich erreichen?
LINEAS-Geschäftsführer Michael Goldapp brachte diesmal seine Frau Anja Schaar-Goldapp sowie Sohn Christian mit. Im Rahmen des Projekts „Neue Wege für Jungs", das parallel zum alljährlichen Girls‘ Day stattfindet, schaute er seinen Eltern einen ganzen Arbeitstag über die Schultern. Und dazu gehört eben auch das Thema Networking, was – neben einem bestimmten Fachthema – auch immer zu einem gelungenen IT-Unternehmerfrühstücks mit dazugehört. Herr Goldapp Senior fasst das Erlebte dann so zusammen: „ Der Vortrag gefiel mir sehr gut und hat systematisch den diffusen Nebel meines Wissens über dieses Thema gelichtet. Wir setzen bereits intern Wikis ein und haben auch per Twitter auf Jobangebote hingewiesen. Allerdings sehe ich bei uns im B2B-Bereich Risiken im Einsatz von Social-Media-Tools, weil wir oft in vertraulichen Projekten arbeiten."