Habe ich etwas gelernt? Nein.
Am 17.05 sollte ich in Althütte bei Stuttgart auflegen. Um fit und ohne Stress auf der Veranstaltung zu erscheinen, beschloss ich einen Tag vorher loszufahren und einen Freund in Stuttgart zu besuchen.
Bei meinem Freund angekommen, saßen wir bis spät in der Nacht auf dem Balkon. Wir leerten einige Flaschen Wein, bevor wir ins Bett gingen. Am nächsten Tag studierten wir nach dem Frühstück zusammen die Karte. Ich rief die Veranstalterin an, um ihr mitzuteilen, dass ich mich schon in der Nähe aufhielt. Am Ende des Gesprächs sagte sie zu mir: „Setzen Sie sich bitte nicht unter Druck. Nehmen Sie sich Zeit."
Nach einer erfrischenden Dusche, und nachdem ich „Althütte" in das Navigationssystem eingegeben hatte, fuhr ich los. Es erschien ein einziger Ort Althütte, ich drückte OK, und die Route wurde berechnet. Wie weit? Das Gerät zeigte 199 Kilometer. ‚Wie denn?‘, dachte ich, ‚ach, deswegen hat die Veranstalterin gesagt, nehmen Sie sich Zeit!‘
Ich hatte alle Ortschaften, die auf meiner Route waren und die ich mir auf der Karte gemerkt hatte, völlig vergessen. Ich las auf den Schildern nun Tübingen, Freiberg, Tütülala, Tübilala, usw. Ich weiß nicht mehr, wie die Städte hießen, die ich passierte. Fakt ist, dass ich einfach von der Landschaft begeistert war. Die Autobahn war frei und ... ich nahm mir Zeit. Nach 130 Kilometern piepte mein Handy: Willkommen in der Schweiz! ... ‚Das kann doch nicht wahr sein!', rief ich. Erstaunlicherweise dachte ich nicht an Anhalten oder Anrufen, um nachzufragen, ob ich richtig fahre. Der Wald war faszinierend, die Serpentinenstraßen, alles war toll und ich fuhr weiter. Ich nahm mir Zeit, bis mein Tank sich leerte und ich weit und breit keine Tankstelle fand. Ich bekam Angst und schaute fortan dauernd auf die Anzeige.
Endlich fuhr ich einen Berg hoch und hielt vor drei Hütten. Mein Irrtum war klar. Selbst der Ortsname „Althütte" war mit der Hand in ein kleines Holzbrett geritzt. Zwei Dackel hießen mich willkommen. Sie bellten und sprangen gegen das Auto. Ich vergewisserte mich, dass sie keine Kampfhunde waren und stieg aus. Eine alte Frau kam aus ihrem Haus, war sichtlich überrascht, dass ich plötzlich auf ihrem Hof stand, und lief mir entgegen.
Firma W.? Kannte sie nicht. Party? Keine Ahnung. So wie die Gegend aussah, glaubte ich auch nicht, dass eine Firma dort feiern würde.
„Wo kann ich tanken?" fragte ich. „Hier nicht und ich weiß auch nicht wo. Versuchen Sie es in Häusern oder in Schluchsee (die nächsten Städte). Es tut mir leid, ich kann Ihnen nicht weiterhelfen."
Mein Herz fing an zu rasen. Wie lange würde es dauern, bis der ADAC hierher kommt, um meinen Tank zu füllen?
‚Scheiß Navigation!‘ dachte ich und rief die Veranstalterin an: „Oh Gott! Das ist doch hier, 26 Kilometer von Stuttgart entfernt. Sie haben doch gesagt, dass Sie mit Ihrem Freund auf der Karte nachgeguckt haben, Sie müssen über Backnang" und weiter fügte sie hinzu: „Na, was meinen Sie, der Schwarzwald ist schön oder nicht?"
Ich antwortete nicht und dachte: ‚Sie haben einen Humor diese Schwaben.‘ Bevor sie auflegte, sagte sie nochmal: „Nehmen Sie sich Zeit und fahren Sie bitte vorsichtig. Entspannen Sie sich."
Ich verfluchte das Navigationsgerät und dachte an die spannenden Zeiten, als ich Kurierfahrer war und mich jedes Mal freute, wenn ich die Karte richtig gelesen hatte: „Jaaaa, ich bin ohne Umwege angekommen!" Ich verriet der Veranstalterin nicht, dass mein Tank leer war. Ich fuhr schon auf Reserve. Wieder einmal musste ich mich auf das Gerät verlassen und ließ die nächste Tankstelle suchen. 3 Kilometer entfernt. Das Gerät führte mich hin. Ich tankte voll und trat die Rückfahrt an, nachdem ich durch die Postleitzahl das richtige „Althütte" fand.
Eine schöne Natur, die Berge und die wunderschöne Landschaft. Unvergesslich. Nach zwei Stunden kam ich an.
Eine Freundin kommentierte mein Abenteuer mit diesen Worten: „Das kann nur einem Ingenieur passieren. Ihr vertraut blind der Technik. Der Computer hat das so berechnet, so muss es sein." Sie hatte Recht. Aber eine vorsichtige Haltung gegenüber dem Gerät hilft auch nicht. Am 27. Juni fuhr ich auf der Autobahn A5 (Frankfurt Bad-Hersfeld). Das Navi-Gerät meldete über TMC einen Stau und berechnete eine neue Route, um den Stau zu umfahren. Ich hörte im Radio „fünf Kilometer Stau" und dachte, dass es nicht so schlimm war. Ich ignorierte die Anweisungen meines technischen Copilots und fuhr weiter. Es gab eine Vollsperrung, und ich blieb 11 Stunden im Stau stehen, in einem Megastau von 100 Kilometern rund um das Kirchheimer Dreieck. Auch die Landstraßen waren dicht.
Ich fragte mich danach, wie ich mich mit diesem Gerät weiterhin verhalten sollte. Die Antwort kommt von einer niederländischen Firma, die in Kooperation mit einem Mobilfunkanbieter neue Geräte auf den Markt bringen wird. Ab Herbst 2008 werden anonymisierte Handy-Daten verwendet. Nach dem Prinzip „wo Handys sich schnell bewegen" muss die Bahn frei sein, werden die Geräte in Echtzeit auf Staus reagieren und die Autofahrer früher um verstopfte Autobahnkreuze herumdirigieren. Ich kann bis dahin nur noch hoffen, dass ich kein weiteres Abenteuer erleben werde.
Luc Degla