Jens Grosskopf
Jens Grosskopf

„Der E-Reader ist keine Konkurrenz zum Buch"

Am E-Book scheiden sich die Geister. Die einen vermissen an dem Gerät das Rascheln des Papiers, die Sinnlichkeit. Andere urteilen pragmatischer, ihnen erleichtert das elektronische Buch das Leben. Seit wenigen Wochen vertreiben die Thalia-Buchhäuser den E-Reader von Sony, der sich deutschlandweit bisher 300.000 Mal verkaufte. Im Interview mit IT-Region 38 erzählt Jens Grosskopf, Geschäftsführer der Braunschweiger Filiale am Kohlmarkt, von übertriebenen Diskussionen, einer rationalen Käuferklientel und vermeintlichen Revolutionen.

Herr Grosskopf, viel ist vom Untergang des Buches die Rede. Schneiden Sie sich als Buchhändler mit dem Verkauf des E-Readers ins eigene Fleisch?

Ich halte diese Diskussion, die es genauso beim Vorabdruck von Büchern in Zeitungen oder beim Erscheinen des Hörbuchs gegeben hat, für übertrieben. Der E-Reader ist nie und nimmer eine Konkurrenz zum Buch. Er bietet nur die Möglichkeit, ein Buch auf eine andere Art zu lesen. Der E-Reader ist ein Accessoire, eine Ergänzung, die das Angebot ums Buch abrundet. Was mich überrascht, sind die Zielgruppen, die der E-Reader findet.

Wer kauft den E-Reader bei Ihnen?

Es sind nicht die – wie man meinen sollte – Jüngeren, sondern eher die etwas Älteren, die sich das Gerät leisten wollen und können. Er wird beispielsweise von Lesern gekauft, die sich häufig mit wissenschaftlichen Texten auseinandersetzen müssen. Anstatt 800 Seiten lange Manuskripte mit sich herumzutragen, laden sie ihre Word- und PDF-Dateien auf den E-Reader. Auch Vielleser steigen vor dem Urlaub auf den E-Reader um – und verzichten darauf, einen ganzen Koffer voll Bücher mitzunehmen.

Warum halten sich die Jüngeren beim Kauf des E-Readers zurück?

Ich sehe es an meinen Kindern. Für sie ist bei elektronischen Geräten der Content am wichtigsten, es muss unbedingt etwas drauf sein. Wer sich den E-Reader kauft, bekommt erst einmal ein reines Abspielgerät. Zwar ist das Gerät mit zwei Romanen und zehn Leseproben gefüllt, doch diese Inhalte richten sich nur an Erwachsene. Der E-Reader spricht in erster Linie rationale Menschen an – und weniger emotionale.

Was ist für Sie ein Vorteil von digitalen Texten?

Es gibt Autoren, die nur durch das Internet erfolgreich geworden sind und ihre Romane auf eigene Faust bekannt gemacht haben. Das ist ein viel demokratischerer Weg, als wenn ein Verlag sagt: Nein, diesen Roman veröffentlichen wir nicht. Es gibt auch Schwächen. Im Vergleich zum Herunterladen von Musiktiteln über iTunes verfügt die Buchbranche noch längst nicht über eine einheitliche Downloadbibliothek.

Es gibt mehrere E-Book-Geräte, die jetzt auf den Markt drängen.

Die Entwicklung steht erst am Anfang. Gerade ist der neue Kindle von Amazon erschienen. Für mich als Zeitungsleser ist das Gerät eine tolle Sache. Wie der E-Reader bedeutet der Kindle eine Ausweitung meiner Möglichkeiten.

Früher wurden Bücher ausschließlich handschriftlich gefertigt. Dann läutete die Erfindung des Buchdrucks eine Revolution ein. Wie stufen Sie die Entwicklung des E-Books ein?

Wenn suggeriert wird, dass das E-Book die Revolution des Buchhandels ist, dann finde ich das betrüblich. Das E-Book ist nicht revolutionär und wird teilweise überschätzt. Jedes Jahr erscheinen von neuem Bücher, die sich millionenfach verkaufen. Und ich wette mit Ihnen: Kein technologischer Fortschritt wird dagegen etwas ausrichten können.

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