Die „Nacht der Unternehmen“ war ein rundum gelungener Abend für die künftigen Absolventen: Sie knüpften fleißig Kontakte zu den rund zwei Dutzend Ausstellern, die den potenziellen Bewerbern mögliche Karrierewege aufzeigten.
Per Busshuttle wurden die Studenten zu den Unternehmen gebracht. Sie konnten sich vor Ort einen ersten Eindruck von den Betrieben machen, die schon bald ihre Arbeitgeber sein könnten. Nach einem langen Abend, der mit einem entspannten Chill-Out endete, waren alle Beteiligten rundum zufrieden: „Unsere Erwartungen haben sich erfüllt. Es war ein toller Start: In den kommen Jahren wollen wird nun das Aussteller-Angebot weiter ausbauen“, sagte Organisatorin Viktoria Lhomme.
„Es war heute ein erster Schritt auf dem wichtigen Weg, qualifizierte Talente in der Region zu halten“, sagte Frank Fauth, Sprecher von IT-Region 38, der die Veranstaltung in den nächsten Jahren erfolgreich etablieren will. Bereits zur Premiere kamen zahlreiche Top-Firmen aus der Region. Mit dabei waren zum Beispiel die Volkswagen Financial Services AG, BBR Verkehrstechnik GmbH, Prevent DEV GmbH und die Bertrandt Ingenieurbüro GmbH.
Nicht nur Studierende der Technischen Universität Braunschweig, der Ostfalia Hochschule und der Hochschule für bildende Künste nutzten die Nacht der Unternehmen. Auch Studenten aus Hildesheim und von anderen Hochschulen waren extra angereist, um sich zu informieren.
Bin Ma, der an der Ostfalia Hochschule im sechsten Semester Maschinen-Bau studiert, sprach mit einigen Unternehmern, ehe er die Veranstaltung voll bepackt mit zahlreichen Informationen und mit vielen neuen Eindrücken verließ: „Ich möchte gerne in der Region bleiben – die Nacht der Unternehmen war ein ideales Forum dafür. Mir haben sich einige neue Möglichkeiten aufgetan“, sagte Ma, der erst vor einem Jahr von China nach Wolfenbüttel gezogen ist.
Felix Göken, der bereits einen Master im Design Management hat, schließt sein BWL-Studium an der Uni Hildesheim zwar erst 2014 ab. Ihm war es aber wichtig, sich frühzeitig zu informieren: „Außerdem möchte ich mich um eine Betriebspraktikum bewerben“, so Göken, der bereits „einige interessante Gespräche“ führen konnte.
In Zeiten, in den händeringend nach Talenten gesucht wird, sind Veranstaltungen wie die „Nacht der Unternehmen“ immens wichtig, bestätigten verschiedene Aussteller. „Es geht schließlich nicht darum, die freien Stellen nur zu füllen – wir suchen qualifizierte junge Leute, die ins Team passen“, sagte Christian Franz von der Bertrandt Ingenieurbüro GmbH.
„Der Austausch mit den Studenten war sehr angeregt“, sagte Dr. Anne Cockwell, die bei der Volkswagen Financial Services AG als Personalreferentin tätig ist. Einige potentielle Bewerber konnten im Gespräch einen guten Eindruck hinterlassen, so Cockwell. Die Chancen für qualifizierte Studenten sind gut: Das Unternehmen hat derzeit insgesamt 88 offene Stellen.
Bereits einige Absolventen der TU Braunschweig haben in den vergangenen Jahren bei der Prevent DEV GmbH einen Platz gefunden. Das Unternehmen produziert unter anderem für Volkswagen, Audi, BMW und Seat. Aktuell sind fünf Stellen ausgeschrieben: „Die Bewerber erwartet eine vielseitige Arbeit, in der auch Auslandserfahrungen geboten werden können“, sagte Elvira Reisig, Ansprechpartnerin für Personalwesen.
Die Aussteller ließen sich einiges einfallen, um die Studenten zu überzeugen: Die BBR Verkehrstechnik GmbH beispielsweise führte alle interessierten Studenten durch das Unternehmen und lud anschließend zur Nacht des Verkehrs ein. Managing Director Frank-Michael Rösch und sein Team haben großen Aufwand betrieben, der sich bald lohnen soll: „Wir wollen mittelfristig insgesamt 20 neue Stellen besetzen.“
Stimmen von der Podiumsdiskussion „Die Qual der Wahl“
Während einer angeregten Podiumsdiskussion unter dem Motto „Die Qual der Wahl“ stellten sich sechs Experten den Fragen von Moderator Mathias Bonn. IT-Region 38 hat die wichtigsten Antworten mitgeschrieben:
Jörg Bode, niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr: „Wir können hier in Niedersachsen auf keinen qualifizierten Absolventen verzichten.“ Dafür sei es jedoch wichtig, die Region attraktiv zu gestalten, erklärte Bode.
Professor Dr. Wolf-Rüdiger Umbach, Präsident der Ostfalia Hochschule, riet allen Studierenden dazu, aktiv zu sein und den Unternehmen viele Fragen zu stellen: „Zum Beispiel nach den in Frage kommenden Arbeitsbereichen. Aber auch die Weiterbildungschancen und der Alterspegel im Betrieb sind wichtige Themen, die vorab abgeklopft werden können.“
Professor Dr. Thomas Spengler, Vizepräsident der Technische Universität Braunschweig: „Es ist wichtig für Studierende, über den Tellerrand zu schauen und sich vorab zu überlegen: Wo liegen aktuell die Probleme in der Industrie?“ Er empfiehlt den Absolventen, zunächst nicht zu stark aufs Gehalt zu schauen: „Viel wichtiger ist die Frage, welche Aufgaben den Bewerber erwarten.“
Harald Eitge, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Braunschweig, berichtete von einem „Wettlauf der Unternehmen um die Talente“. In der Region sei der Bedarf zum Beispiel an IT-Spezialisten, Maschinenbau-Ingenieuren und Hochbau-Ingenieuren momentan sehr hoch. Die Agentur für Arbeit habe nicht nur im Blick, welche Qualifikation aktuell gefragt ist, erklärte Eitge: „Wir fragen uns auch: Was kommt übermorgen?“
Christiane Hesse, Mitglied der Vorstands, Volkswagen Financial Services AG freut sich über das große Interesse der Bewerber am Unternehmen: „Wir haben 400 Mitarbeiter neu eingestellt und dafür rund 11000 Bewerbungen erhalten.“ Einen großen Bedarf gebe es jedoch an Spezialisten mit Berufserfahrung. Immer mehr Bewerber achten bei der Wahl ihres Arbeitgebers auf eine ausgewogene „Work-Life-Balance“ mit hoher Arbeitszeitflexibilität und Kinderbetreuung.
Tobias Hoffmann, IHK Braunschweig und Geschäftsführer von Hoffmann-Filter, Lengede: „Das Gehalt ist für Bewerber natürlich sehr interessant – trotzdem sollte das bei einem Einstellungsgespräch nicht ganz am Anfang stehen. Sie sollten zudem wissen, dass es auch im regionalen Mittelstand gutes Geld zu verdienen gibt.“ Er ermutigte Studenten zudem, während des Vorstellungsgesprächs alle Fragen zu stellen, die ihnen wichtig sind. db