Frau Professor Robra-Bissantz, das Herz der deutschen Wirtschaftsinformatik schlägt in diesem Jahr in Braunschweig. Wie sind Sie zu dieser Ehre gekommen?
Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist der Stellenwert der Wirtschaftsinformatik in Braunschweig und an der TU seit Gründung des zweiten Lehrstuhls und des Instituts vor vier Jahren immer größer geworden. Zum zweiten ist unser Institut im Vergleich zu anderen gut mit der Wirtschaft vernetzt, wir arbeiten in Projekten eng mit Unternehmen zusammen. Und zum dritten: Braunschweig hat auch als Stadt eine Menge zu bieten, auch abseits der Konferenz lohnt sich der Besuch für die Wirtschaftsinformatiker-Community.
Insgesamt kommen etwa 600 Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter, Studierende und Praxispartner in die Stadt. Was dürfen die von der MKWI erwarten?
Sie lernen die neuesten Forschungsarbeiten kennen. Es gibt verschiedene Fachgruppen, und jede stellt ihre aktuellen Ergebnisse vor – in E-Finance und E-Learning genauso wie auch in Informations- und Nachhaltigkeitsmanagement. Was uns in Braunschweig wichtig ist: Die MKWI soll eine wirkliche Community-Veranstaltung und das Zuhause der Wirtschaftsinformatik sein.
Was bedeutet das?
Wir haben auf der letzten MKWI vor zwei Jahren eine Umfrage unter den Teilnehmern gemacht. Dabei ist herausgekommen, dass sie nicht nur Vorträge hören wollen, sondern dass ihnen auch der Austausch untereinander wichtig ist. Sie wünschen sich mehr Möglichkeiten, sich zu treffen und sich über die Themen der Wirtschaftsinformatik zu unterhalten.
Wie sind Sie diesem Wunsch nachgekommen?
Wir haben für jeden Abend ein Programm auf die Beine gestellt und die Vorzüge der Region eingebunden. Wir führen unsere Gäste durch die Stadt, laden sie zum Konferenz-Dinner in die Räume der Öffentlichen ein und zeigen ihnen das Volkswagen-Werk. Die Konferenzteilnehmer werden einen gemütlichen Launch-Bereich für sich haben, wo sich auch Unternehmen der regionalen IT präsentieren. Und wir haben die Nerd-Night bei Volkswagen Financial Services im Programm.
Die Nerd-Night?
Das ist ein lockerer Abend mit unterhaltsamen Vorträgen zu skurrilen Themen. Wie schafft man es, mit wenigen Mitteln und gerade einmal 30 Euro einen Computer zu bauen? Auf der Nerd-Night gibt's dazu und zu vielem mehr die Antwort.
Die MKWI richtet sich neben dem Fachpublikum auch an allgemein interessierte Besucher. Wie binden Sie die breite Öffentlichkeit ein?
Wenn die MKWI vorbei ist, geht's im Anschluss sofort weiter – mit der BSocialBar und dem BSocialCamp. Wir wollen das soziale Web nutzen, die Kooperation in der Region zu stärken – durch die Zusammenarbeit von Wirtschaftsinformatikern, allen Interessierten an sozialem Engagement, Unternehmen und sozialen Einrichtungen. Das Ziel ist eine Kooperationsplattform, die über soziale Projekte berichtet und die Vernetzung weiterentwickelt.
Wenn die MKWI 2012 Geschichte ist: Wie soll man rückblickend über Braunschweig als Gastgeber sprechen?
Natürlich wünsche ich mir, dass die Konferenz neue Erkenntnisse im wissenschaftlichen Diskurs an den Tag bringt. Ich wünsche mir aber auch, dass die Community der Wirtschaftsinformatiker der Meinung ist: Die Braunschweiger haben der MKWI einen Touch gegeben, der der Konferenz und uns allen richtig gut getan hat und sie tatsächlich zum Zuhause der Wirtschaftsinformatik gemacht. Vielleicht inspirieren wir ja sogar ein Stückweit die Organisatoren der MKWI 2014, sodass sie sagen: Von Braunschweig können wir uns eine Menge abschauen. Das wäre für uns das schönste Kompliment (Interview: Stefan Boysen).